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Analyse der Electrolux Quartalszahlen - AEG Krise hinterläßt tiefe Spuren

erstellt von AEG zuletzt verändert: 30.07.2006 07:14

Electrolux hat seine Zahlen für das abgelaufene 2. Quartal am 24. April veröffentlicht. Die Börse reagierte eher negativ. Eine gründlichere Analyse des Zahlenwerk zeigt, dass die Auseinandersetzung um die AEG in Nürnberg den Konzern schwerer getroffen hat, als er zugeben mag. Gerüchte aus Firmenkreisen deuten daraufhin, dass inzwischen ein verantwortlicher Top-Manager seinen Stuhl räumen mußte, weil er den andauernden Boykott nicht handhaben konnte.

Der 21 Seiten starke Quartalsbericht beginnt mit einem überraschenden Eingeständnis von CEO Hans Straberg.

"The big negative event in this quarter was of course the long strike at the Nuremberg appliances factory in Germany. The strike lasted much longer than we had expected. Even though our organization worked hard to rearrange production, we did experience a downturn in our sales in several countries."

Also schon auf Seite 2 muss Electrolux einräumen, dass sie sich gründlich verkalkuliert haben. Der Streik bei der AEG in Nürnberg habe viel länger als erwartet gedauert. Trotz großer Anstrengungen des Organisation ging der Umsatz in mehreren europäischen Ländern zurück.

Das läßt aufhorchen. Bislang sind wir nur davon ausgegangen, dass der Jobkiller Electrolux Boykott zusammen mit dem Streik zu Umsatzrückgängen in Deutschland geführt hat. Offenbar sind die Auswirkungen aber gravierender.

Auf Seite 7 "Operations by Business Area Indoor Products" lesen wir ansehnliche Erfolgszahlen. Der Nettoumsatz für langlebige Gebrauchsgüter in Europa ist von 9.931 Millionen Schwedischen Kronen (SEKm) im 1. Quartal 2005 auf 9.999 SEKm im Q1 2006 gesteigen. Also ein Umsatzwachstum. Weniger erfreulich aus Electroluxsicht ist dabei, dass die "operating margin" (operative Gewinnmarge) dabei um 0,1% auf nur noch 4,1% gefallen ist. Dazu heißt es im Bericht erläuternd:

"Group sales of core appliances in Europe declined slighty compared to first quarter of 2005 as a result of lower sales volumes in Western Europe. The strike at the Group's appliances factory in Nuremberg, Germany, led to a significant decline in sales for the AEG-Electrolux brand, mainly in the German market. Post-strike production started on march 7 and since then sales of AEG-Electrolux products have recovered well."

Also ein leichter Umsatzrückgang in Europa durch einen signifikanten Einbruch der Verkaufszahlen für AEG Geräte vorallem (aber eben nicht nur!) in Deutschland.

Des Rätsels Lösung, was denn jetzt stimmt, Umsatzanstieg oder Rückgang, wird im Anhang im Kleingedruckten auf Seite 17 geliefert. Zwischen vielen Tabellen und Daten versteckt lesen wir dort, dass der Umsatz für Indoor Products in Europa in **vergleichbarer Währung um 2,8% gesunken ist**. Bilanziert wird aber ein Anstieg um 0,7%, der ausschließlich auf für den Konzern günstigere Wechselkurse zurückzuführen ist!

Das operative Einkommen ist nominal um 2,6% tatsächlich aber um stattliche 4,3% eingebrochen. Das schließt aber ausdrücklich einmalige Belastungen aus, die die Vergleichbarkeit verzerren.

Im 2. Quartal werden 145 SEKm als einmalige Schließungskosten bilanziert, die oben noch nicht berücksichtigt sind. Diese Zahl wirft viele Fragen auf. In Vorabmeldungen jubelt die Börse zunächst, weil die Anaylsten allgemein Kosten von 227 Millionen SEK erwartet hatten. Der Dämpfer folgt 2 Stunden später. Electrolux's chief financial officer Fredrik Rystedt erwartet weitere Restrukturierungskosten in Q2 und Q3. Das ist natürlich Bilanzkosmetik von feinsten, denn wie jeder Interessierte wissen kann, sind bis zum 31. März noch keine Schließungskosten angefallen. Wohl aber Streikkosten in erheblicher Größenordnung.

Die ersten ca. 800 Entlassungen sind inzwischen für Ende Juni bis Oktober 2006 ausgesprochen. Erst ab dann - und damit in Q3 und Q4 - werden die Abfindungen in Höhe von 150 Millionen € fällig, die sich die AEGler erstreikt haben. Damit ist klar, dass die gesamten Schließungskosten für Nürnberg den vorgesehenen Rahmen von 240 Millionen € weit übersteigen werden. Wobei wir die vom bayerischen IG Metall Chef Neugebauer Mitte März genannten 600 Millionen € für übertrieben halten. Eine realistische und ehrliche Kalkulation dürfte auf eine Summe zwischen 300 und 400 Millionen € hinauslaufen.

Bei 190 Millionen Gewinn vor Steuern in 2005 sind 50 Millionen mehr oder weniger alles andere als peanuts. Umsomehr als ja auch noch die zusätzlichen Marketingaufwendungen in Höhe von 40 Millionen, die Europachef Winkler unmittelbar nach Streikende angekündigt hat, das Ergebnis belasten werden.

Damit kommen wir zum Kern der Angelegenheit. Welchen Weg wird der Jobkiller Electrolux zukünftig einschlagen?

Trotzig verkündet CEO Hans Straberg nach außen ein Festhalten an seinem Restrukturierungskurs. "We will continue to move production to low-cost countries. During first quarter, production was discontinued at our refrigerator plant in Greenville. Michigan, USA." (Quartalsbericht Seite 2) Zur Bekräftigung wird am 25. April die Meldung veröffentlicht, dass die Fabrik im schwedischen Torsvik geschlossen wird

Straberg betätigt sich hier als Kindesschreck. Beides waren längst verkündete Maßnahmen, "done deals". Entscheidend ist, dass er keine neuen Werksschließungen oder Rentabilitätsüberprüfungen für andere Werke ankündigt. Wie uns zugetragen wurde, hatte er schon früher betont, dass es keinen Masterplan, keine feste Agenda oder Zeitplan für die Restrukturierung der Electrolux Gruppe in Europa gebe. Das erklärt auch, warum Teile der Nürnberger Produktion ins genauso teure Italien verlagert werden. Damit sollten die dortigen Gewerkschaften beruhigt werden. Die Ansätze eines länderübergreifenden gewerkschaftlichen Widerstandes vom Oktober 2005 konnte Electrolux so auch erfolgreich kontern. Aber um welchen Preis?

**Electrolux hat im Bilanzjahr 2006 faktisch kein Geld weitere Werke zu schließen, wenn sich dort Widerstand entwickelt. Dank Internet wird der Druckwächter dem Jobkiller Electrolux auf der Spur bleiben!**

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