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Der Sturz des „deutschen Weltkonzerns“ AEG

erstellt von AEG zuletzt verändert: 30.07.2006 07:14

Die genauere Untersuchung der Firmengeschichte der AEG, sowie Hintergründe zum Aufstieg des Electrolux-Konzerns geben spannende Einblicke in die Welt des globalen Kapitals.

Der Kapitalismus frisst seine eigenen Kinder! Der Sturz des "deutschen Weltkonzerns" AEG

Im Jahr 1884 besaß das Unternehmen DEG(AEG) eine Glühlampenfabrik. Bis 1914 kamen weitere Fabriken, vor allem in Berlin, hinzu: Eine Apparatefabrik, Turbinenfabrik, Kabelwerk, Fabrik für Bahnmaterial, Fabrik für Hochspannungsmaterial, Kleinmotoren-, Widerstands-, Großmaschinen-, Lokomotiven-, Porzellan-, Lack-, Heiz- und Kochapparate- und eine Flugzeugfabrik. Das AEG-Werk für Wasch- und Heizungsgeräte in Nürnberg wurde 1922 gegründet. Die AEG stieg zu einem der größten Industrie- und Rüstungskonzern auf. Mit dem Zweiten Weltkrieg stiegen die Gewinne.

1945-48 wurden sämtliche Produktionsstätten und Vertriebsbüros in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands enteignet. In den westlichen Besatzungszonen wurden zahlreiche Fabriken wieder- oder neu aufgebaut. Der AEG-Konzern wird in den 60er und 70er Jahren zum zweitgrößten Elektro- und siebzehntgrößten Umsatzkonzern der BRD. Es war auch die Zeit der Kooperation und der Zusammenschlüsse in der Elektrotechnikindustrie. Im Bereich der elektrotechnischen Industrie entfielzu doeser Zeit über die Hälfte des gesamten Umsatzes auf nur fünf Konzerne: Siemens, AEG, Bosch, Grundig und Brown Boverie & Cie (BBC). Die AEG war stark in der Rüstungs- und Atomkraftwerksindustrie engagiert.

Die Wirtschaftskrise der BRD und die Krise der AEG

1970: Aufnahme des bis dahin größten Bankkredits der AEG (1,2 Milliarden DM) und dadurch Verdoppelung der Finanzschulden im Inland.

1974: Verluste in Höhe von 664 Millionen DM lösen eine akute Finanzkrise aus; Verkauf der Computersparte und damit Ausstieg aus der zukunftsträchtigen EDV-Produktion

1974 war das Jahr, in dem die tiefste Wirtschaftskrise der BRD-Geschichte ihren Anfang nahm. Für die Elektroindustrie insgesamt sah die Lage überdurchschnittlich schlecht aus. Zwar konnte auf dem Investitionsgütersektor 1974 noch eine minimale Steigerung der Produktion um 1 Prozent erreicht werden; da aber bei den Konsumgütern die Krise schon voll wirksam wurde, sanken die Inlandsumsätze der gesamten Elektroindustrie real um 1,4 Prozent. 1975 sank die gesamte Elektroproduktion um knapp 10 Prozent, bei Investitionsgütern um 8,8 Prozent. Eine solche Wirtschaftskrise lässt auch die Großkonzerne nicht ungeschoren, vor allem dann nicht, wenn sie sich in die Länge zieht.

Krisenbewältigung des AEG-Konzerns: Senkung des Kostenfaktors Arbeit/Mensch - Entlassungen - Ausgliederungen - Verlagerungen - Schließungen.

1976: Ausstieg aus dem Kernkraftwerk- und allgemeinen Kraftwerkbaus. Verkauf von Produktionsbereichen und Beteiligungen.

1979: Erneut akute Finanzkrise durch einen Jahresverlust von 968 Millionen DM; die Banken des Konsortiums übernehmen weitere 50 Prozent des Aktienkapitals. 1979 erreicht die Krise des Elektrokonzerns AEG ihren vorläufigen Höhepunkt. Erstmals in der Geschichte der BRD geriet mit der AEG eines der zehn größten Industrieunternehmen an den Rand des Zusammenbruchs. Betroffen war hier kein Unternehmen aus einer strukturschwachen Branche, sondern der zweitgrößte Konzern der Elektronischen Industrie, einer Branche, die zu den zentralen, weltmarktorientierten Trägern des „Modell Deutschland“ gehört.

1980: „Nothilfeaktion“ der größten Industrie- und Versicherungsmonopole der BRD einschließlich der Konkurrenten Siemens und Bosch in Form eines Schuldscheindarlehens an die AEG von über 400 Millionen DM; weitgehende Aufgabe der der Zukunftsbereiche: Betriebsmess-, Steuerungs- und Regelungstechnik. Diese Bereiche werden von den Konkurrenz-Konzernen „übernommen“. Während der Umsatz von 2,3 Milliarden Dollar im Jahr 1970 über 5,2 Milliarden Dollar 1975 auf 6,8 Milliarden Dollar im Jahre 1980 kletterte, sank die Zahl der Beschäftigten von 178 000 im Jahr 1970 auf 162 000 im Jahr 1975 bis auf 108 000 im Jahr 1980. In Nürnberg (Haushaltsgeräte) waren anfangs der 80er Jahre rund 6 000 Mitarbeiter beschäftigt.

1981: Die Reservebildung für den Pensionsfonds der AEG wird eingestellt; Verkauf von 49 Prozent am Konzernbereich Nachrichtentechnik und weitere 49 Prozent an die Olympia-Werke AG; Ausstieg aus dem Telefonanlagenbau.

1982, Juni: Die AEG beantragt Bundes- und Landesbürgschaften von zusammen mehr als 1,6 Milliarden DM zur Behebung der akuten Finanzkrise.

1982, August: Mehrere Banken lehnen eine Kreditzusage ab; ein Jahresverlust von mehr als 1 Milliarde DM wird absehbar. Beantragung des gerichtlichen Vergleichsverfahrens.

1983: Nürnberger Nachrichten von 2./3.7.83: „Der AEG-Konzern hat, bevor er letzten Endes doch noch Vergleich anmelden musste, immer wieder mit Verkäufen gutgehender Firmenteile versucht, Geld in die leeren Kassen zu bekommen und die ärgerlichen Liquiditätssorgen zu verscheuchen. Eines dieser Geschäfte betraf auch die ehemalige Perle des Elektrokonzerns, die AEG-Telefunken Nachrichtentechnik. 49 Prozent des Kapitals dieses im zukunftsträchtigen Elektronikbereich tätigen Unternehmensteils wurde an eine Gruppe verkauft, an der Bosch, Mannesmann und Allianz beteiligt sind.“

Aus der Zeitschrift „horizont“, 1982, Nr. 35. Aufstieg und Einsturz eines Giganten.

"Seit Neuformierung der AEG nach dem zweiten Weltkrieg haben die Repräsentanten der mächtigsten BRD-Banken und einiger mit ihnen liierten Industriemonopole erneut unumschränkt das Sagen im Aufsichtsrat des Konzerns. Die Dresdner, die Deutsche und die Commerzbank, die Berliner Handelsbank und die Frankfurter Bank sowie weitere zwei Privatbankhäuser und der größte staatliche Bankkonzern gehören neben den Industriemonopolen BASF, Mannesmann, Gutehoffnungshütte und Flick zu jenem Kreis. Bei diesem `Rat der Götter´ fehlende unternehmerische Umsicht glaubhaft machen zu wollen ist absurd. Die Wahrheit ist, dass auch die Banken keineswegs selbstlos handeln und deren eigene Profitinteressen nicht unter allen Umständen mit denen des von ihnen kontrollierten AEG-Konzerns identisch waren und sind..... Das damals gebildete Konsortium von 25 Banken mit der Dresdner Bank und der Deutschen Bank an der Spitze kaufte die neuausgegebenen Aktien auf und ist dadurch in den Besitz von mindestens 58 Prozent des Aktienkapitals der AEG gelangt. Es schanzte den mit ihnen eng verflochtenen Konzernen Siemens, Bosch und Mannesmann potentiell profitable Tochtergesellschaften der AEG zu, um deren internationale Konkurrenzpositionen zu stärken. Alles deutet darauf hin, dass es nicht im Interesse der genannten Banken lag, die Insolvenz der AEG zu verhindern. ... So ist letztlich der AEG-Konzern an jener Schwäche gescheidert, die einmal seine Stärke war, an der Verfilzung mit dem Bankkapital."

1985: Der AEG-Konzern wird von Daimler-Benz übernommen und zerlegt Die lukrativen Produktionen werden selbst übernommen oder an andere Konzerne verkauft. Vor allem die Rüstungsbereiche und Zukunftssektoren werden gesichert.

1990 gründen z.B. AEG und Siemens die EUPEC Europäische Gesellschaft für Leistungshalbleiter mbH & Co. KG durch Einbringung der jeweiligen Geschäftsaktivitäten oder die Ausgründung des Bereichs Hochfrequenztechnik, Marine- und Sondertechnik in die TELEFUNKEN Systemtechnik GmbH (TST) und Veräußerung an die Deutsche Aerospace AG (DASA, bei Daimler Benz) und die Veräußerung der AEG Forschunhsinstitute an Daimer-Benz AG. Als am 8. Dezember 1993 der Aufsichtsrat das neue Strukturkonzept für die AEG verabschiedete, war der Verkauf der Hausgeräte die bedeutendste Maßnahme die in diesem Zusammenhang getroffen wurde. Intern wie extern wurde dieser Schritt rein wirtschaftlich begründet. Die Zusammenarbeit mit Electrolux habe nicht ausgereicht die Synergieeffekte voll auszuschöpfen: Durch die Abgabe an einen potenten Partner werde der Bereich letzten Endes gestärkt.

1994 wurden die AEG Hausgerätewerke durch Electrolux von Daimler-Benz übernommen. Es sind die Werke Nürnberg, Rothenburg o.d.T., Herborn, Kassel. 2002 werden die Fabriken in Herborn und Kassel geschlossen.

September 1996 verschmilzt die AEG Aktiengesellschaft vollständig mit Daimler-Benz AG.

Der Konzern Electrolux

Electrolux entstand in Schweden nach einer Fusion 1919 von Elektromekanska AB (1910 gegründet) mit dem Unternehmen Lux AB und wurde in Electrolux umbenannt. 1913 produzierte das Unternehmen seinen ersten Staubsauger und 1925 den ersten Kühlschrank, der nach einer Idee von Albert Einstein funktionierte. In den nachfolgenden Jahren wuchs das Unternehmen stark. Wie bei allen anderen Herstellern von Haushaltsgeräten wirkte in den 60er Jahren die ökonomische Krise auf das Unternehmen.

Die neue Konzernführung leitete eine Phase der Diversifizierung und offensiven Wachstums ein. Es galt den immer härter werdenden Konkurrenzkampf zu bestehen. Zwischen 1970 und 1979 wurden 59 Unternehmen übernommen. Der Konzern hatte in 20 Ländern Produktionsstätten und mehr als 80.000 Beschäftigte. In den 80er Jahren wurde diese Strategie fortgesetzt (z.B. durch den Erwerb des italienischen Unternehmen Zanussi). Gleichzeitig versuchte man den nordamerikanischen Markt zu erobern, den man Ende der 60er Jahre aufgegeben hatte. In den 90ern begann man sich wieder auf den eigentlichen Kernbereich zu besinnen. Das im Juni 1997 aufgelegte zweijährige Restrukturierungsprogramm des Electrolux Konzerns sah den Abbau von 12 000 Arbeitsplätzen vor durch die Schließung von 25 Produktionsstätten und 50 Lagern. Ende 1998 waren 9 200 Arbeitsplätze abgebaut, 18 Produktionsstätten und 30 Lager geschlossen, vor allem im Bereich Weiße Ware in Europa. Der Kurs der Aktie stieg nach Bekanntgabe des Ergebnisses von 1998 um 8% und stieg im gesamten Jahr um 27 %.

Electrolux ist Schwedens größte Elektro-Gruppe und nach eigenen Worten weltgrößter Produzent von Haushalts- und Reinigungsgeräten. Er konzentriert sich zur Zeit auf zwei Gebiete: Dauerhafte Konsumgüter und professionelle Produkte für den Indoor- und Outdoorbereich (Reinigungsmaschienen, Kühltheken, Waschmaschinen, Kettensägen, Rasentrecker etc.). Electrolux ist die Nummer 74 in der Rangliste nach Umsatz 2003 mit 13 590 Mio. Euro Umsatz, 523 Mio/850 Mio. Euro Profit und 77 140 Beschäftigte. Der Konzern ist auf Rang 8 der Branchenführer bei Elektrotechnik und Elektronik. In Schweden ist er auf Platz 3 der Länderchampions.

Die Zahl der Beschäftigten sank wie in allen Konzernen von 1994 mit 109 470 Beschäftigten bis 2003 auf 77 140 Beschäftigte. Dies bei steigender Dividende.

2003 bestand der Konzern aus 284 Unternehmen in mehr als 60 Ländern. 55 Mio. Produkte werden jährlich in über 150 Ländern verkauft. Electrolux ist weltgrößter Produzent von Bodenpflegegeräten (Marktanteil Europa 15%, USA 30%, Welt 20%), Absorbtionskühlschränken für Wohnmobile und Hotelzimmer sowie von Kühlkompressoren und Kettensägen. In Europa und Australien ist sie Marktführer im Bereich „Weiße Waren“, mit Frigidaire zudem drittgrößter Anbieter in diesem Bereich auf dem US-Markt. Zur Gruppe gehören in Europa unter anderem die Marken AEG, Jun, Husqvarna und Zanussi. 97 % (2004) des Umsatzes werden außerhalb des Mutterlandes Schweden erzielt (1999: 95 %). Der größte Einzelmarkt sind die USA mit 36 % (1999: 32,1 %) Umsatzanteil. In Deutschland 1999: 11,9 % Umsatzanteil. Wesentliche Beteiligungsgesellschaften sind in den Ländern Deutschland, H/Ungarn, Frankreich, Dänemark, Belgien, Italien, Schweden, Indien, Mexiko, VR, China, Brasilien, Saudi Arabia, USA.

Die größten Aktionäre (2003) sind Investor AB mit 5,3 %, Alecta Pensionsversicherung mit 4,9 % und der AMF Pensionsfonds mit 3,8 %. (1999: 4th National Pension Insurance Fund mit 7,25 %, SPP mit 3,68 % und Investor AB mit 3,63 %). Der Firmensitz ist Schweden, Stockholm.

2003 kündigte der Konzernchef Hans Straberg an, die Modellpalette reduzieren zu wollen. Allein in Europa hat der Konzern über 30 Marken, die aus Marketing- und Kostengründung deutlich reduziert werden sollen.

Die Betriebsschließungen und Massenentlassungen bei Electrolux gehen weiter.

  • Schließung des Standortes Fuenmayor in Spanien
  • Massenentlassungen im italienischen Werk in Florenz
  • Massenentlassungen im schwedischen Werk Marienstaad
  • Überlegungen den Produktionsstandort in Ungarn in weitere „Billiglohnländern“ zu verlegen. (Ungarn ist schon zu teuer).

Electrolux verdoppelt die Fertigungskapazitäten in Polen und Rumänien. In Osteuropa kann Electrolux die jetzt 1,4 Millionen Nürnberger Geräte pro Jahr zukünftig um 48 Millionen Euro billiger bauen lassen.

Electrolux und AEG-Electrolux Hausgerätewerk Nürnberg

In Nürnberg stellt Electrolux Waschmaschinen, Trockner und Geschirrspüler verschiedener Marken her. 1750 Menschen sind im Werk Nürnberg beschäftigt. Neben der Fertigung ist hier auch die Deutschland-Zentrale von Electrolux angesiedelt. Insgesamt beschäftigt der Konzern in der Stadt rund 2500 Menschen.

  • 2003 war das Nürnberger AEG-Electrolux-Werk im Konzern das mit den höchsten Stückzahlen und mit der höchsten Auslastung.
  • 2004 produzierten im Nürnberger Werk die 1 750 MitarbeiterInnen etwa 1,6 Millionen Geräte.
  • Schließungsüberprüfung des Standortes Nürnberg (Juni 2005) durch den Electroluxkonzern.
  • BR-Vors. Harald Dix: *"Der Zug nach Osten rollt weiter. Und wenn die Belegschaften in den Hochlohnländern nicht aufpassen, werden sie überrollt."*
  • EX-AEG-Chef Egon Minar hatte noch vehement argumentiert, dass die neuen Werke nur für den Zusatzbedarf in Osteuropa produzieren sollten.
  • BRV. Dix: "Wir meinen, in Osteuropa werden neue Werke geschaffen, um die Werke im Westen unter Druck zu setzen." Standorte würden gegeneinander ausgespielt. Und das gehe so: Je nach Land würden den Gewerkschaften andere konzerninterne Statistiken vorgelegt. Den Italienern wird vorgeworfen, sie führten die Hitliste bei den prozentualen Lohnsteigerungen, während die Deutschen hier nur im unteren Drittel liegen. Den Deutschen wiederum wird vorgehalten, dass sie nominal Spitzenlöhne verlangen. Den Ungarn reibt man unter die Nase, dass sie mit einem Stundenlohn von fünf, sechs Euro die Teuersten in Osteuropa sind.
  • Der Herdspezialist AEG in Rothenburg wird demnächst die Fertigung einfacher Glaskeramik-Kochmulden an Rumänien verlieren. Doch wie schon bei der Verlagerung der Staubsauger gibt es einen Ausgleich. Rothenburg darf künftig Einbau-Backöfen herstellen. Auf Kosten von Arbeitsplätzen in Frankreich: Electrolux macht die Fabrik in Reims dicht.

2005: Electrolux startet eine Imagekampagne für den „Premium-Name AEG-Electrolux“ und verspricht auch in Zukunft „gleiche Leistung und gleiche Qualität“. 2005 wird (von der AEG-Nbg.) der erste Teil der Produktion von Kondenstrocknern abgezogen und nach Siewierz in Südpolen verlagert. Der zweite Teil soll 2006 folgen. Die Verlagerung der Trocknerfertigung nach Polen dürfte 200 Arbeitsplätze kosten.

März 2005: Electrolux-Deutschland-Chef spricht von „gravierenden Auslastungsproblemen“ des Nürnberger Werks. Es wird die 30 Wochenstunden-Arbeitszeit eingeführt (Betriebsvereinbarung).

September 2005: Ausgliederung von (4) Teilbereichen in eigene GmbHs. Die eigentliche Produktion bleibt erhalten. Zur AEG Hausgeräte GmbH gehören die Werke in Nürnberg (1 736 MitarbeiterInnen in der Produktion, 68 MitarbeiterInnen in der Entwicklung und weitere 39 MitarbeiterInnen) und Rothenburg (751 MitarbeiterInnen in der Produktion und 116 MitarbeiterInnen in der Entwicklung). Eigenständige Teile sind: Electrolux Services GmbH (Kundendienst und Call Center Ersatzteile) mit 427 MitarbeiterInnen, Electrolux Logistics GmbH (Logistik für Deutschland) mit 181 MitarbeiterInnen, Distriparts Deutschland GmbH (Distribution der Ersatzteile für Zentraleuropa) mit 212 MitarbeiterInnen, Electrolux Hausgeräte Vertriebs GmbH (Marketing, Vertrieb, Verwaltung, IT und Floorcare) mit 636 MitarbeiterInnen.

1.9.2005: Der Chef des schwedischen Konzerns Electrolux, Hans Stratberg, sieht wenig Chancen das Werk der Konzerntochter AEG in Nürnberg zu erhalten. „Wir sind bereit, über alles zu reden, aber es reicht in unserer Branche nicht, die Löhne um zehn oder 20 Prozent zu senken“, zitiert das Handelsblatt. „Die Kunden sind nicht bereit, mehr für unsere Produkte zu zahlen, nur weil sie in einem bestimmten Land hergestellt worden sind“. Electrolux-Boss Straberg sieht allenfalls Chancen für Nürnberg, wenn die AEGler 40 statt der im Flächentarifvertrag eigentlich festgeschriebenen 35 Wochenstunden arbeiten - zum selben Lohn, versteht sich. Es gebe aber noch keinen endgültigen Beschluss über die Zukunft des Werkes, sagte Straberg.

Anders als beim Konkurrenten Bosch Siemens sieht Electrolux kaum Möglichkeiten, über freiwillige Lohnsenkungen die Arbeitsplätze in Nürnberg zu retten. Grund für die Krise der Hersteller von Hausgeräten seien nicht die hohen Stahlpreise, sondern der starke Preisverfall beim Absatz der Produkte, sagte Straberg. In Deutschland waren die Preise für Elektro-Haushaltsgeräte in den vergangenen Jahren um zusammen mehr als zehn Prozent gefallen.

25.10.2005: Der schwedische Haushaltsgerätekonzern Electrolux hat im dritten Quartal mehr verdient als von Marktexperten erwartet. Die operative Gewinnmarge sei durch Steigerung in der für Elektrolux entscheidenden Sparte für Produkte wie Waschmaschinen, Kühlschränke oder Staubsauger sowie Umsatzzuwächse in Nordamerika gesteigert worden. Insgesamt stiegen die Erlöse um 8,5 Prozent, Elektrolux-Aktien zogen am Vormittag um 4,5 Prozent an. Nov.05. Nürnberg ist kein Einzelfall. Electrolux hat angekündigt, die Hälfte seiner 27 Produktionsstätten zu schließen. USA, Australien, Europa = Hochlohnländer.

12.12.2005: Der Aufsichtsrat beschließt: AEG Nürnberg wird bis 2007 dicht gemacht. Für die Schließungskosten sind 240 Millionen Euro eingeplant.

Position und Aktionen der IG Metall und des Betriebsrat

Um in Nürnberg die Mitarbeiterstärke (300 Entlassungen wurde eingefordert) zu halten, wurde im Frühjahr 2005 die Wochenarbeitszeit auf 30 Stunden gesenkt - mit Lohneinbußen, dafür aber der Garantie, dass 14 Monate lang niemanden betriebsbedingt gekündigt wird. Wechsler: „Eine Wahl zwischen Pest und Cholera.“ Diese Betriebsvereinbarung wurde bis Ende Juni 2006 verlängert.

Juli 2005: Auf Betreiben des AEG-Betriebsrats und unterstützt vom Management untersucht das Info-Institut die wirtschaftliche Lage des Unternehmens.

23.09.05: Auf Sparbemühungen wollen sich die Arbeitnehmervertreter nur dann einlassen, wenn die Geschäftsleitung eine Standortgarantie für Produktion und Entwicklung bis Ende 2010 gibt. Ferner verlangen sie von dem schwedischen Mutterkonzern Electrolux, dass weitere Investitionen fließen, damit das Unternehmen hier hinsichtlich der Produkte und Prozesse wettbewerbsfähig bleibe. Um die Auslastung zu gewährleisten, wollen die Gewerkschafter drittens eine garantierte Stückzahl an Waschmaschinen und Geschirrspülern, die pro Jahr in Nürnberg hergestellt wird.

In der Sitzung (23.9.05) in Brüssel trifft der Aufsichtsrat der AEG Hausgeräte GmbH mit dem Info-Institut zusammen. Das von der Gewerkschaft angeforderte Gutachten wird vorgestellt. Kernpunkt der Expertise ist: AEG Nürnberg könnte 20 Mio. Euro jährlich an Einsparungen stemmen. Die Summe enthalte nicht nur Abstriche bei den Personalkosten, sondern auch bei den Fixkosten. Der Konzernführung gehen die Einsparvorschläge nicht weit genug.

5.10.2005: AEG-Electrolux Nürnberg im Streik! AZ: „Kampf um Nürnberger Werk verschärft sich. IG Metall: Boykott gegen AEG-Geräte.“

Freitag, 21.10.05: Die Frühschicht blockiert die Einfahrt der AEG in Nürnberg. Europäischer Aktionstag gegen Entlassungen und Betriebsschließungen. Forderung der Gewerkschaft (IGM/Europäische Metallgewerkschaftsverbund) für alle Standorte: - Keine weiteren Schließungen von Standorten - Keine betriebsbedingten Kündigungen - Die Verpflichtung zur Suche nach sozialverträglichen Lösungen, die auch die regionalen Auswirkungen berücksichtigen - Eine auf Innovation und Hochtechnologie ausgerichtete industrielle Strategie, die die Zukunft von Electrolux in Europa garantiert Arbeitnehmer und ihre Vertreter sind willens ein Europäisches Rahmenabkommen zu verhandeln, welches den Weg für eine nachhaltige und sozialverträgliche Zukunft für Electrolux in Europa ebnet.

29.10.2005: Bei einem Treffen der AEG-IGM-Mitglieder wurde eine Tarifkommission mit 48 Mitgliedern gebildet. - Unabhängig von der möglichen Fabrikschließung sind 500 Arbeitsplätze gefährdet. Der Grund: Bis Juni verlängert, läuft die Vereinbarung des Unternehmens mit den Arbeitnehmervertretern aus. Die Arbeitszeit werde dann von 30 wieder auf 35 Stunden angehoben. Dadurch würden etwa 200 Arbeitsplätze überflüssig. Außerdem werde 2006 die Trocknerfertigung in Nürnberg eingestellt. Davon seien 300 Stellen betroffen. Electrolux versuche, mit der Gewerkschaft zu einem Interessensausgleich über diese 500 Stellen zu kommen. Aber die IG-Metall will nur über ein „Gesamtpaket“ verhandeln.

Was BR Dix nun seinen Leuten im Werk zu verklickern versucht, ist: Sie sollen weitere Abstriche machen, um ihre Jobs zu retten. Zehn bis 15 Millionen Einsparung pro Jahr dürfte das bringen. Die Zielmarke von Electrolux liegt aber drei- bis viermal höher. NN.18.11.05. Arbeitnehmer zu großen Zugeständnissen bereit: Von heute 1750 dürften bis 2008 dann noch rund 1000 Arbeitsplätze übrig bleiben. Zum Schrumpfkurs tragen drei Faktoren bei: + Bis Jahresmitte 2006 soll die Verlagerung der Wäschetrockner-Produktion von Nürnberg nach Polen gemäß den Plänen der Geschäftsführung abgeschlossen sein. Dieser Abzug kostet 220 Stellen. + Ab Juli 2006 steht die Rückkehr von der 30- zur 35-Stundenwoche an. Das bedeutet, dass die gewerblichen Mitarbeiter nach eineinhalb Jahren 30-Stunden-Woche bei entsprechenden gekürztem Lohn wieder 35 Stunden arbeiten, ohne das Siebtel Mehrarbeit bezahlt zu bekommen. So gehen 250 Arbeitsplätze verloren. + Wenn im Laufe des Jahres 2007 die beiden noch im Aufbau befindlichen polnischen Werke voll funktionieren, könnte die Stückzahl der in Nürnberg gefertigten Geräte von heute 1,2 Mio. auf dann mindestens 800 000 Waschautomaten und Spülmaschinen absacken. Was noch einmal ein Minus von rund 300 Stellen bedeutet. Diese drei Faktoren zusammen führen zu einem Verlust von 770 Arbeitsplätzen in Nürnberg. Gewerkschaften und Betriebsrat würden diese Einschnitte mittragen, wenn eine Reihe von Bedingungen erfüllt sind. Dazu gehört vorneweg die Standort- und Beschäftigungssicherung bis Ende 2010, die garantierte zugeteilte Stückzahl von mindestens 800 00 Geräten pro Jahr sowie Investitionen vor allem in moderne Fertigungsprozesse und Materialien. Die Gewerkschafter fordern ferner, dass der angebotene Lohnverzicht von gut 16 Prozent alle trifft - vom Bandarbeiter über den Entwicklungsingeneur bis hin zum Werksleiter.

2. und 3.12.2005: Protestkundgebung: Der Betriebsrat und die IG Metall fordern den Konzern auf, jetzt eine Entscheidung für den Erhalt des Standortes Nürnberg zu treffen. Wir lassen uns nicht mehr länger hinhalten!

12.12.2005: Der Electrolux-Aufsichtsrat gibt die Schließung des Werkes bis 2007 bekannt.

In der Woche nach dem Schließungsbeschluss wird gestreikt und die Tarifkommission legt einen Sozialtarifvertrag vor: AEG-Electrolux muss den Entlassenen Ersatzarbeitsplätze stellen und ihnen bis 31. Dezember 2010 das volle Gehalt bezahlen. Es soll eine Vorruhestandsregelung für alle Mitarbeiter ab 53 bis zum 60. Lebensjahr geben. Dabei muss auch der Abschlag bei der Rentenversicherung ausgeglichen werden. Wer seinen Arbeitsplatz verliert, soll für jedes Jahr Betriebszugehörigkeit eine Abfindung von drei Brutto-Gehälter bekommen - und zwar Brutto für Netto. Das bedeutet: die Steuer muss Electrolux übernehmen. Die Forderungen haben das Ziel: AEG soll bestehen bleiben! Im Januar 2006 wird über den Sozialtarifvertag verhandelt und eine Urabstimmung über Kampfmaßnahmen durchgeführt.

Weitere Infos: www.netzwerkit.de/projekte/aeg

Quellen:
  • Nürnberger Nachrichten (NN)
  • Nürnberger Zeitung(NZ)
  • Abendzeitung (AZ)
  • UZ-Unsere Zeit (UZ)
  • Dampfturbine. DKP-zeitung für die AEG-KANIS Belegschaft. Nürnberg.
  • Die bio-welle. DKP-Zeitung für die AEG/TELEFUNKEN-Belegschaft. Nürnberg.
  • Der Rote Funke. Zeitung der DKP. Für die Belegschaft der AEG. München.
  • Gert Hautsch, Das Imperium AEG-Telefunken. Ein multinationaler Konzern. Frankfurt a.M., 1979
  • Harri Czepuck, Ein Symbol zerbricht. Zur Geschichte und Politik der AEG. Berlin, 1983.
  • Eberhard Koebel-Tusk, Dr. Peter Heß, AEG Energie - Profit - Verbrechen. Berlin, 1958.
  • Hrg.: Deutsches Wirtschaftsinstitut, Die Macht der Hundert. Berlin, 1966.
  • Peter Strunk, Die AEG. Aufstieg und Niedergang einer Industrielegende. Berlin, 1999.
  • Bonder, Student, Wem gehört was in Europa? Regensburg, 2005.
  • Kritisches Gewerkschaftsjahrbuch 1980/81. Richard Ullmer, Die Krise der AEG. Arbeitsplatzvernichtung und gewerkschaftliche Reaktion.Berlin, 1980.
  • Materialien der AEG-Konzernberatung der DKP

Sichtbarstes Kennzeichen der allgemeinen Strategie der BRD-Monopole waren seit etwa 1973 massive Rationalisierungen; damit verbunden die Schließung von Werken oder Betriebsteilen, Massenentlassungen und Abbau von Arbeitsplätzen; des weiteren wachsende Anstrengungen zur Erhöhung des Waren- und Kapitalexports; außerdem das Bemühen um staatliche Finanzgeschenke; schließlich Widerstand gegen Lohnforderungen der Gewerkschaften. Diese Maßnahmen dienten dem Ziel die Profitrate abzusichern und auszubauen.

1975: 25 Banken bilden ein Konsortium zur Sanierung der AEG und übernehmen durch Aktienaufkauf 24 Prozent Kapitalanteile der Gesellschaft; Ausstieg aus der Glühlampenherstellung

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