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September

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25.09.2009

Alcatel-Lucent: Französischer Humor

von Alcatel-Lucent — Letzte Änderung 25.09.2009 02:00
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Der Kampf gegen Outsourcing und Entlassungen darf nicht ohne Humor abgehen. So machen es unsere französischen KollegInnen ...

Ben mit einer Tulpe in der Hand

Du hast einen Tritt in den Arsch bekommen.

Um einen zu entlassen, sagt es mit Blumen,
Das ist einfach eleganter

Mehr Karikaturen findet man auf der französischen Website gegen Outsourcing.

23.09.2009

Nachbetrachtung der Besetzung der Fabrik in Battipaglia // Follow-up on the factory occupation in Battipaglia

von Alcatel-Lucent — Letzte Änderung 23.09.2009 02:00
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Am 12. September beendeten die fünf Kollegen, die die italienische ALU Fabrik besetzt hielten, ihre Aktion, weil sie ihre Forderungen erfüllt bekamen. Was ist richtig daran, wie geht es in Battipaglia weiter und was schließen wir von NetzwerkIT daraus? // On September 12th the five workmates who had been occupying the ALU factory ended their protest because their demands had been met. Is this correct? What will happen now in Battipaglia and as Netzwerk IT what do we infer from this?

English below: Follow-up on the factory occupation in Battipaglia

Auf den ersten Blick ist das Ergebnis der Besetzung beachtlich: ein Regierungsminister, Untersekretäre, der Personalverantwortliche von ALU, ein geschäftsführendes Vorstandsmitglied von ALU Italien, der ALU Verantwortliche für weltweite industrielle Aktivitäten und Vertreter der lokalen und regionalen Behörden mussten im Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung zusammentreffen. ALU bestätigte dort erneut die Bereitschaft, auf einen Vergleich einzugehen, der auf die Alternativvorschläge der Regierung und Gewerkschaften basiert.

Was hat ALU dazu bewogen, diesen Schritt zu gehen?

Die Antwort ist einfach wie banal: die Öffentlichkeit! Die Aufmerksamkeit die unsere fünf Kollegen mit ihrer Besetzung erzeugt haben, war beachtlich. ALU hat offensichtlich Angst, dass ihr Image geschädigt wird. Es ist nicht gerade gut fürs Geschäft, wenn verzweifelte Kollegen sich selbst und eine ganze Fabrik womöglich in die Luft sprengen wollen.

Erschwerend kommt hinzu, dass ALU jahrelang mit der Fabrik kräftigt abgesahnt hat. Die Tatsache, dass die Schließung einer Fabrik zur Regierungssache wird, zeigt wie brisant die Lage für das Unternehmen ist.

Die Aktion der fünf Kollegen war daher erfolgreich. Es ist ihnen gelungen, derart viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit auf sich zu lenken, dass sowohl die bis dahin uninteressierten Politiker als auch ALU sich gezwungen sahen, ernsthaft auf die Forderungen der Kollegen und die Gewerkschaften einzugehen. Nachzulesen ist eine Stellungnahme der italienischen Gewerkschaften hier: Auseinandersetzung Alcatel-Lucent Battialia oder im Original hier: VERTENZA ALCATEL LUCENT DI BATTIPAGLIA . Darin wird allerdings nicht Paolo Luongos Teilnahme an den Verhandlungen erwähnt. Die renommierte "Corriere della Sera" schreibt dazu: «An den Verhandlungen hat auch Paolo Luongo teilgenommen. Ein Achtundzwanzigjähriger, der sich fünf Tage lang zusammen mit vier anderen Kollegen im Innern des Werkes mit der Drohung sich anzuzünden verbarrikadiert hatte. Paolo: «Unsere extreme Handlung hat einzig dazu gedient, alles was in diesen sechs Monaten der Auseinandersetzung getan worden ist und in denen wir nie ein Gespräch mit den Behörden hatten, wieder rückgängig zu machen.»

Allerdings war die Taktik, sich selber anzuzünden, buchstäblich ein Spiel mit dem Feuer. Wären die Politiker und ALU nicht auf die Forderungen der Kollegen eingegangen, hätten die Kollegen entweder ihre Drohung in die Tat umgesetzt oder einen Rückzieher gemacht. Einen Mittelweg gibt es in so einer Situation nicht.

So groß die Verzweiflung der Kollegen auch sein mag, es darf nicht unser Ziel sein, zum Märtyrer zu werden, um Gespräche mit der Firma über Alternativen zu Entlassungen zu erzwingen. Wir verstehen nur zu gut die Verzweiflung der Kollegen. Jedoch sollte es andere Aktionsformen geben, die das Ziel haben, Politiker und Unternehmen zum Einlenken zu bewegen. Menschenleben aufs Spiel zu setzen ist die schlechteste Form.

So gibt es durchaus andere Möglichkeiten: In letzter Zeit ist in Frankreich z.B. „Bossnapping“ populär geworden. Bei AEG in Nürnberg wurde eine Mauer vor dem Werkstor errichtet, um Electrolux daran zu hindern, Maschinen abzutransportieren. Phantasie ist gefragt! Außerdem ist es uns wichtig, dass es Aktionen gibt, die nicht nur auf eine kleine Vorhut beschränkt ist.

Was auch immer als Protest getan wird, die erfolgreiche Besetzung der Fabrik in Italien zeigt uns, dass die Öffentlichkeit aufmerksam gemacht werden muss, um eine Unterstützung der Bevölkerung zu erreichen, damit Politiker und ALU nicht mehr daran vorbeikommen.

Allerdings werfen solche Aktionen, so erfolgreich sie auch sein mögen, noch Fragen auf.

Wie begegnet man Globalisierungversuchen von Firmen wie ALU, die aus – teilweise vergeblichen Kosteneinsparungsgründen – ganze Entwicklungen und Produktionen von einem Land zum anderen transferieren? Müssen die davon betroffenen Kollegen dies tatsächlich auch noch unterstützen? Wir lassen die Antwort an dieser Stelle offen.

Follow-up on the factory occupation in Battipaglia

At the first glance, the result of the occupation is remarkable: a government minister, undersecretaries, the personnel director of ALU, a managing director of Italy ALU, the ALU manager in charge of global industrial activities, and representatives of local and regional authorities had to meet at the Ministry of Economic Development. ALU reaffirmed at the meeting their willingness to reach an agreement based on the alternative proposals by the Government and trade unions.

What prompted ALU to take this step?

The answer is both simple and banal: publicity! The attention the five workmates raised by their occupation was remarkable. ALU was evidently afraid that their image would be damaged. It is not exactly good for business when desperate workers want to blow themselves up and possibly their factory, too.

What made things worse is that ALU had been riding the gravy train with the factory. The fact that the factory closure had become a government affair shows how volatile the situation had become for the company.

Hence the action of the five colleagues was successful. They managed to generate so much public attention that the politicians as well as ALU, who had shown no interest up to then, were forced to respond seriously to the demands of the workers and the unions. Here you can read a statement of the Italian unions (in Italien) on this. In it there is no mention of Paolo Luongo's participation in the negotiations. The renowned "Corriere della Sera" writes: Also Paolo Luongo took part in the negotiations. A twenty-eight year old who, along with four other workmates barricaded themselves inside the factory for five days and threatened to set themselves on fire. Paolo: Our extreme action had solely lead to a reverse of the situation that in six months of our dispute, we never had a discussion with the authorities.

However, the tactic to set themselves alight was literally playing with fire. Had the politicians and ALU not responded to the workers' demands, either they would have had to carry out their threat or back down. There is no middle course in such a situation.

As large as the desperation of the colleagues may be, it cannot be our aim to become martyrs in order to force talks with the company over alternatives to redundancies. We understand only too well their desperation. However, their must be other forms of action that can achieve the aim of getting politicians and the company to back down. To jeopardise human life is the worst form.

There are definitely other possibilities: for instance, in France “bossnapping” has become quite popular of late. At AEG in Nuremberg a wall was built in front of the factory gate to stop Electrolux removing machines from the factory. Fantasy is needed! Additionally, it is important for us that the actions are not restricted to a vanguard.

Whatever form of protest is taken, the successful occupation of the factory in Italy shows us that the matter must be made public in order to get the support of the population so that the politicians and ALU cannot ignore the issue.

Nevertheless, however successful such actions may be, they do raise questions.

How do we confront the attempts of companies like ALU to globalise, i.e. their in part unsuccessful attempts to save costs by transferring complete development departments or factories from one country to another ? Do the affected colleagues really have to support this? We leave these questions open here.

15.09.2009

„Eine durchaus positive Entwicklung“ – eine Satire

von Alcatel-Lucent — Letzte Änderung 15.09.2009 02:00
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Aus gegebenem Anlass bringen wir hier ein Interview mit dem allseits bekannten GBR-Vorsitzenden, Herrn Brechreiz. Jede Ähnlichkeit mit existierenden Firmen oder lebenden Personen wäre rein zufällig.

Die drei Affen

Interviewer: Herr Brechreiz, am 14. September wurde ein GBR-Info Flugblatt mit Information für die Beschäftigten im Unternehmen verteilt. Es hat den Gesamtbetriebsrat (GBR) anscheinend nicht ruhen lassen, dass die ehemaligen Lucent-Betriebe keine Tarifbindung haben und es dort deshalb bereits zwei Mal keine Gehaltserhöhung gab?

Brechreiz: Ja, so ist es. Unser Schlaf der Gerechten wurde immer unruhiger und wir meinten dagegen etwas tun zu müssen.

Interviewer: Wie sie in Ihrem Flugblatt erwähnen, haben der GBR und die IG Metall (IGM) nach zähen Verhandlungen mit der Geschäftsleitung (GL) ein Ergebnis erzielt.

Brechreiz: Die Verhandlungen waren zäh und langwierig, weil wir viel Zeit gebraucht haben, um die Vorstellungen der GL zu verstehen und anschließend der GL auch zuzustimmen.

Interviewer: Wie Sie sagen, wurden die Verhandlungen beflügelt durch einen bis zuletzt wirksamen Druck der Belegschaften.

Brechreiz: Wie heißt es noch gleich? Redbull verleiht Flügel!

Interviewer: Das Ergebnis Ihrer Bemühungen, also der Haustarifvertrag, ist sehr aufschlussreich. Dieser orientiere sich an der tariflichen Entgeltstruktur und Entgeltlinie von Baden-Württemberg. Was können sie dazu sagen?

Brechreiz: Dazu möchte ich mich nicht äußern, weil das sofort von Netzwerk IT veröffentlicht werden würde.

Interviewer: Nach ihren Ausführungen soll es eine Erklärung der GL und des GBRs für eine weiterhin bestehende Tarifbindung geben. Was beinhaltet diese konkret?

Brechreiz: Befragen Sie dazu bitte die GL.

Interviewer: Ist es richtig, dass Sie die Vorgaben der Konzernleitung bezüglich der Eckpunkte zur Gehaltsanpassung, Zielvereinbarung und Bonusvergabe in den Tarifvertrag mit übernommen haben?

Brechreiz: Im großen und ganzen ist das Bestandteil des Tarifvertrags für ALU.

Interviewer: Uns ist zu Ohren gekommen, dass alle Mitarbeiter neu eingruppiert werden und dies entscheidend für das neue, festzusetzende Gehalt sei?

Brechreiz: Danke für den Hinweis, wir wollten dies als Überraschung noch offen halten und haben deshalb darüber nicht informiert.

Interviewer: Sie sprechen von der unbefristeten Übernahme aller Auslernenden in Stuttgart und Berlin. Wie sieht es damit in Nürnberg aus?

Brechreiz: Nürnberg??

Interviewer: Sie erwähnen in Ihrem Flugblatt eine Betriebsabgrenzung von VS und ZB am Standort Stuttgart? Welche Folgen könnte das haben?

Brechreiz: Das wurde von der GL als Forderung in die Verhandlungen mit eingebracht. Leider ergibt sich für die Belegschaft auch ein negativer Aspekt daraus, d.h. weniger Betriebsräte in Zukunft.

Interviewer: Nach unserem Kenntnisstand hat der Betriebsrat beim Arbeitsentgelt und sonstigen Arbeitsbedingungen, die normalerweise durch einen Tarifvertrag geregelt sind, nicht mitzureden. Ist es laut Tarifrecht daher haltbar, dass der GBR und die BRs in Stuttgart und Berlin, dem Tarifergebnis zugestimmt haben?

Brechreiz: Dieser Umstand ist uns durchaus bewusst und entspricht auch unserem Kenntnisstand.

Interviewer: Herr Brechreiz, das klingt ja alles überaus positiv! Sie haben trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten, wie Sie in Ihrer Info berichten, ein achtbares und zukunftsweisendes Ergebnis erzielt. Sie sind demnach der Meinung, dass die Belegschaft und die Firma durch dieses Ergebnis enger zusammen wachsen wird?

Brechreiz: Ja. Wie Sie allen unseren bisher erschienenen GBR-Infos entnehmen können, wurden die mit der IGM gemeinsam erzielten Ergebnisse von uns immer positiv dargestellt – auch unsere Niederlagen.

Interviewer: Wird die Belegschaft das ebenfalls so positiv sehen wie Sie?

Brechreiz: Davon gehen wir gut und gerne aus! Aus dem Grunde haben wir auch ein Beitrittsformular der IGM an das Flugblatt angefügt. Wir sind zuversichtlich, dass noch mehr Menschen als bisher der IGM beitreten werden und freuen uns schon jetzt auf die neuen Mitglieder.

Interviewer: Herr Brechreiz, wir danken Ihnen für das informative und aufschlussreiche Interview. Wir sind schon auf die nächsten Ergebnisse des GBRs gespannt!

10.09.2009

Alcatel-Lucent-Fabrik in Battipaglia besetzt! - am Samstag ausgesetzt

von Alcatel-Lucent — Letzte Änderung 10.09.2009 02:00
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Aus Verzweiflung und in der Hoffnung, den Beschluss von ALU, die Fabrik in Battipaglia zu schließen, zu stoppen, haben sich fünf Beschäftigte in der Fabrik verschanzt und drohen, sich selbst in die Luft zu jagen, falls auf ihre Forderungen nicht eingegangen wird.

Wir haben bereits berichtet, dass ALU plant, die Fabrik in Battipalgia, in der Nähe von Neapel, in einer Gegend, die durch hohe Arbeitslosigkeit gekennzeichnet ist, entweder zu schließen oder auszulagern. Dies soll geschehen, nachdem Alcatel jahrelang aus europäischen oder italienischen Töpfen Geld für den Standort bekommen hat.

Es ginge nicht „nur“ um hundert Arbeitsplätze in der Fabrik, sondern insgesamt um 1000 Arbeitsplätze in der Region, so die Betroffenen.

So extrem wie diese Aktion der KollegInen klingt, so bescheiden sind ihre Forderungen (hier im Original auf Italienisch):

  • Aussetzung des Outsourcings für mindestens sechs Monate
  • ernsthafte Diskussion des alternativen Plans der Arbeitnehmer und der betrieblichen Belegschafts- und Gewerkschaftsvertretung (RSU/RSA)
  • Diskussion der Angelegenheit auf der Ebene der Ministerien Wirtschaft, Forschung und Auswärtige Angelegenheiten und ebenso auf regionaler Ebene. Anwesenheit eines Konzernvertreters aus Frankreich bei diesen Diskussionen

Solidarität ist gefragt!

Für uns ist klar, dass Solidarität gefragt ist:

Die KollegInnen kämpfen gegen die Schließung ihrer Fabrik, obendrein eine Schließung eines bekanntermaßen kostengünstigen Standortes! Sowohl in Stuttgart, als auch in Nürnberg fühlen wir uns wegen der Zusammenarbeit mit Battipalgia den italienischen Beschäftigten verbunden. Ein erfolgreicher Ausgang in Italien hilft allen in den kommenden Auseinandersetzungen um das gleiche Thema anderswo in Europa!

Bitte schickt Solidaritätserklärungen an mailto:adriana.geppert@alcatel-lucent.it

Weitere Information:

Nachtrag

Heute haben wir erfahren, dass die fünf Kollegen, die die Fabrik besetzt hatten, in der Nacht von Freitag auf Samstag beschlossen, die Besetzung auszusetzen. Der Grund: ALU soll einigen der Forderungen zugestimmt haben.

Am Dienstag den 15. September finden Gespräche in Rom statt. Außerdem soll eine große Demonstration der Gewerkschaften aus Battipaglia vor dem Wirtschaftsministerium stattfinden.

Wir haben das bekommen, was wir verlangt haben“, so äußern sich die fünf Kollegen zur Presse

Ob das stimmt, werden wir in der nächsten Wochen feststellen können.

04.09.2009

Kurzarbeit in OND!

von Alcatel-Lucent — Letzte Änderung 04.09.2009 02:00
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Ab dem 1. September soll im Optikbereich OND durschnittlich 11% der Arbeitszeit eingespart werden, in 2010 sogar bis zu 21%. Läutet diese Kurzarbeit den Anfang vom Ende für den Standort Nürnberg ein?

Am 18. August 2009 wurden die KollegInnen aus OND vom Betriebsrat über die Verhandlungen über die Einführung von Kurzarbeit (KA) in OND informiert und über die Modalitäten der KA gesprochen.

Warum Kurzarbeit?

Die Voraussetzung für die Einführung von KA in einem Betrieb ist, dass es sich um einen „erheblichen“ Arbeitsausfall handelt, der „vorübergehend“ und nicht „vermeidbar“ ist. Die wirtschaftlichen Ursachen, die ein Betrieb dafür angeben kann, sind vielfältig. Einer davon ist z.B. die „Veränderung der betrieblichen Strukturen“, also eine Umorganisation.

Es wird vom Gesetzgeber erwartet, dass nach einer gewissen Zeit wieder voll gearbeitet werden wird. Damit soll „mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit“ und in „absehbarer Zeit“ zu rechnen sein. Mehr noch, der Betrieb soll „sich laufend darum bemühen, den Arbeitsausfall zu verringern oder zu beenden“.

Eine weitere Voraussetzung ist, dass der Arbeitgeber und der Betriebsrat vergeblich versucht hätten, „den Arbeitsausfall abzuwenden oder einzuschränken“!

Wie sieht's in Nürnberg aus?

In Nürnberg ist nur OND von der KA betroffen. Laut einer BR-Veranstaltung vom 25. August soll 2009 im Durchschnitt 11% der Arbeitszeit und 2010 21% „eingespart“ werden. Warum gerade 11% bzw. 21% wurde bis jetzt weder von der Firma noch vom Betriebsrat offengelegt! In der ersten BR-Veranstaltung gab der Entwicklungschef in einem Redebeitrag zum Besten, dass er „Vorgaben“ des Vorstandes umsetzen müsse. (Anmerkung: Geschäftsleitung befiehl, die Manager folgen dir unter allen Umständen??)

Wie diese KA-Zahlen mit der wirtschaftlichen Lage in OND in Einklang zu bringen sind, erklärte aber niemand. In beiden Veranstaltungen hatten wir den Eindruck, dass der Betriebsrat die wirtschaftlichen Ursachen nie hinterfragt hat und es schlichtweg auch nicht für nötig gehalten hat die Belegschaft davon zu unterrichten, von seinen Bemühungen die KA abzuwenden oder einzuschränken.

Die KA werde nicht gleichmäßig verteilt und bei Einzelnen wird die Arbeitszeit sogar auf bis zu 40% abgesenkt. Wieviele KollegInnen betroffen sind, erwähnte der Betriebsrat in den Veranstaltungen nicht!

Vertrauensgleitzeit – kein Problem?

Die überwiegende Mehrheit der Beschäftigten in OND haben eine „Vertrauensarbeitszeit“, d.h., dass die geleisteten Stunden nicht schriftlich festgehalten werden. Weder die Firma noch der Betriebsrat kontrollieren die tatsächliche Arbeitszeit. Vor einiger Zeit gab es lediglich eine anonyme Umfrage bei den KollegInnen durch den Betriebsrat, bei der herauskam, dass bei ALU-Nürnberg durchschnittlich 42 Std./Woche gearbeitet wird..

Es soll also unter allen Umständen KA gemacht werden. Eine unbekannte Größe - nämlich die tatsächlich geleistete Arbeitszeit - soll gekürzt werden. Die Nürnberger Arbeitsagentur glaubt, wenn die KollegInnen tageweise nicht arbeiten, dass dadurch die Arbeitszeit effektiv verringert wird. Wie naiv muß man sein, um solche Schlüsse zu ziehen, oder gibt es auch dort „Klüngelei“?

Und falls nun ein Vorgesetzter unbedingt meint, er müsse die KollegenInnen an ihren „freien“ Tagen beschäftigen oder über „Remote Access“(!) arbeiten lassen, sollte er vielleicht bedenken, dass das als Betrug mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren bzw. Geldstrafe geahndet wird. Da es in Deutschland kein Unternehmensstrafrecht gibt, würde in einem solchen Verdachtsfall gegen den Arbeitnehmer wegen Betruges und dessen Vorgesetzten, der die Arbeit ja angeordnet hat, ermittelt.

Was ist mit dem Rest der Belegschaft?

Der Bereich OND bildet mit ungefähr 200 Beschäftigten etwa ein Drittel des Standortes Nürnberg. Nach unserer Information soll bei den restlichen Beschäftigten über 10% der Belegschaft abgebaut werden. Außerdem soll es im Bereich Mobility über kurz oder lang ebenfalls KA geben.

Weder vom Management noch vom BR hört man etwas darüber. Aus der „Gerüchteküche“ haben wir erfahren, dass bald ein neues und rechtlich gesehen wertloses, „Eckpunktepapier“ aus dem Hut gezaubert wird. Das letzte „schützte“(!) die jetzt betroffenen Bereiche. Was im neuem dr-eckigen Papier steht, dürfen wir als betroffene Belegschaft noch nicht wissen Wir warten gespannt darauf, welche Anstrengungen unsere „Arbeitnehmervertreung“, sprich die Betriebsratsvorsitzenden und der GBR unternommen haben, Arbeitsplätze zu retten und wieviele mal wieder über die Klinge springen werden.

Kurzarbeit statt Entlassungen?

Auch wenn wir bezüglich der jetzigen KA bedenken haben, könnte KA nicht eine Lösung für die Bereiche sein, in denen KollegInnen entlassen werden sollen? Wäre es nicht besser, über den gesamten Standort Alternativen zu Entlassungen zu finden, als jeden Bereich für sich abzufertigen?

Kritikern der KA in OND wird von manchen Betriebsräten vorgeworfen, dass dies die einzige Alternative zu Entlassungen sei. Unabhängig davon, dass solche Betriebsräte keine Beweise für diese Behauptung haben, weil sie die tatsächliche wirtschaftliche Lage der Firma nicht kennen und auch nicht beurteilen können, könnten wir argumentieren: Statt Entlassungen muss es KA für alle geben!

Fazit

Die gegenwärtige Lage der Firma ist unklar. Es gibt Gerüchte, dass ALU übernommen werden soll. Mittlerweile wird ALU von einige Analysten auch wieder positiv beurteilt. Wir sehen nicht nur deswegen keinen Grund für Kurzarbeit bzw. Entlassungen.

Es stinkt! Auf der einen Seite wickelt ALU die Umsätze und Geschäfte über Belgien ab (Prinzipal-Modell), um Steuer zu sparen und kassiert im Gegenzug vom deutschen Staat Geld für die KA - unser aller Geld!

Statt einer scheibchenweisen Abfertigung und einer mögliche Entsorgung durch das Management brauchen wir Lösungen für ein gemeinsames Problem. Wenn wir nicht wollen, dass die Entwicklung Bereich für Bereich verschwindet und der Service teilweise abgebaut wird, brauchen wir starke Alternativen. Es zeigt sich immer mehr, dass wir dabei leider weder auf das Management noch auf den Betriebsrat setzen können.

Autoren

Alcatel-Lucent

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