Geiz ist geil und Lügen haben kurze Beine
Die wahre Geschichte über den angekündigten Tod der AEG
AEG muss sterben, weil „Geiz ist geil!“ Käufer und Schnäppchenjagd als Volkssport die Preise verderben. Johan Bygge, Europavorstand von Electrolux, jammert in der FAZ vom 13.10.2005, dass die Preise für Haushaltsgroßgeräte in Deutschland in 2 Jahren um 7% gefallen seien. Gleichzeitig seien die Lohnkosten in Deutschland etwa zehnmal so hoch wie in manchen Billiglohnländern Osteuropas oder Asiens. Deshalb bleibe Electrolux leider gar nichts übrig, als seine Werke in Westeuropa zu schließen. Die Kosten müssen runter und das gehe nur in Billiglohnländern, weil die Unterschiede bei den Löhnen einfach zu groß seien.
Das klingt so überzeugend, daß man einfach sprachlos wird. Wie soll man da noch für seinen Job bei der AEG in Nürnberg, Rothenburg, Florenz, Rioja usw. kämpfen?
Die überzeugende Geschichte von den Electrolux Bossen hat nur einen Haken – sie ist gelogen!
Die wahre Geschichte findet man in den Börsennachrichten. Im Internet z.B. indem man unter Finanznachrichten und Electrolux als Suchbegriff eingibt.
J.P. Morgan erwartet im 3. Quartal ein 4 % Zuwachs bei Umsatz und einen Gewinn vor Steuern von 152 Millionen Schwedischen Kronen. Schon im 2. Quartal konnte Electrolux seine "Erlöse um 6,3% steigern.":http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2005-08/artikel-5267317.asp
Kurz und gut Electrolux ist nun wirklich keine Pleitefirma. Im übrigen hat auch das Werk in Nürnberg immer gewinnbringend gearbeitet. Warum reicht der Gewinn dann immer noch nicht?
Jacob Wallenberg will den gnadenlosen Krieg um das weltweite Waschmaschinenmonopol gewinnen.
Jacob Wallenberg ist Chairman of AB Investors. Dieser Investment-Fond erhöht im September seine Aktienanteil an Electrolux, so dass er jetzt auf 26% der Stimmrechte kommt. Jacob Wallenberg ist im übrigen nicht irgendein Spekulant, sondern Teil des Wallenberg Clans. Diese altehrwürdige Familie besitzt so ungefähr die Hälfte der schwedischen Wirtschaft.
Die Konkurrenz für AB Investors als Besitzer der Electrolux kommt nicht durch neue Mitbewerber aus China, der Türkei und Korea, wie Johan Bygge in der FAZ fantasiert. Der Konkurrent kommt aus den USA, einem Land in dem die Lohnkosten bekanntlich höher als in Westeuropa sind. Er heißt Whirlpool und ist Marktführer für Haushaltsgeräte in den USA. Whirlpool ist gerade dabei den Branchendritten "Maytag zu übernehmen.":http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2005-10/artikel-5465989.asp Obwohl die US-Behörden noch weitere Informationen anfordern, wird die Übernahme im Wert von 2,7 Milliarden US $ vermutlich planmäßig im 1. Quartal 2006 abgeschlossen werden. Dann wird Whirlpool Electrolux als "Nummer 1 auf dem Weltmarkt für Waschmaschinen überholen":http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2005-08/artikel-5208656.asp und der Kampf der Giganten in die nächste Runde gehen.
Der Kampf um die Weltherrschaft, in diesem Fall bei Haushaltsgeräten, ist verdammt teuer. So teuer, daß oft nur die ganz großen Kapitalgruppen, wie hier AB Investors und Whirlpool mithalten können. Und selbst die brauchen für ihren Krieg viel Geld. So viel Geld, dass im Moment die Börsenanalysten empfehlen, sowohl Electrolux wie auch Whirlpool Aktien zu verkaufen und die Firmenbewertung senken.
Jacob Wallenberg füllt seine Kriegskasse auf unsere Kosten. Deshalb soll die AEG in Nürnberg sterben. Deshalb sollen die einzelnen Standorte gegeneinander ausgespielt werden, damit am Ende die Löhne aller Electrolux Kollegen massiv sinken.


RE: AEG Nürnberg Vortrag und Diskussion