Rede des Betriebsgruppenvorsitzenden auf der CGN - Betriebsversammlung
Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch ich grüße Euch alle recht herzlich
Da unser Gewerkschaftssekretär privat verhindert ist, werde ich als Gewerkschaftsvertreter einen Überblick über die aktuelle Wirtschaftskrise und deren Folgen für die Belegschaft geben.
Seit knapp zwei Jahren ist von der aufziehenden Finanzkrise die Rede. In den letzten Monaten sind die Auswirkungen tatsächlich sichtbar geworden. Wir hören und lesen täglich von Kurzarbeit, Sparmassnahmen, Absatzproblemen, hohen Verlusten bei Banken und von Stellenstreichungen.
Diese Krise wird sich nicht nur auf die Banken oder irgendwelche abstrakten Werte beschränken, sondern wird das tägliche Leben von uns allen tief greifend erschüttern.
Ist die Wirtschaftskrise an uns vorbei gegangen? Natürlich nicht, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Bereits vor Monaten hat man bei UPS angefangen an jeder Ecke zu sparen. In den Hallen werden ab einer bestimmten Uhrzeit einfach die Lichter ausgeschaltet. Die dadurch entstehenden Risikofaktoren in Bezug auf Arbeitssicherheit ignoriert man, vom Ramp Bereich aus müssen etliche Kollegen in Dunkelheit die Hallen passieren, z.B. in der Halle 4.
Weiterhin werden die Bänder stillgelegt, wie z.B. in der Customs Area. Die Leidtragenden sind letztendlich die Mitarbeiter, die mit Muskelkraft die frei werdenden Pakete in die Hallen schleppen müssen, wie z.B. an Sonntagen.
Die Beschäftigten sind sehr wohl für Sparmaßnahmen, die den Betrieb entlasten, aber nur da wo diese auch Sinn machen.
Sollte auch nur ein Mitarbeiter beim Durchqueren der dunklen Halle einen Arbeitsunfall erleiden, hat man nichts eingespart. Aber dafür hat man einen verletzten Kollegen. Dieses Risiko geht man ein.
In den letzten Tagen ist ein PCM verbreitet worden, aus dem hervorgeht, dass z.B. zukünftig an die Mitarbeiter kein Weihnachtspräsent und auch keine Jubiläumszuwendung seitens der Geschäftsleitung ausgehändigt wird.
Ich zitiere:
„Angesichts der Folgen, die die Wirtschaftskrise für unser Geschäft hat, müssen wir jedoch Alternativen finden, um zu wachsen und unsere Ziele zu erreichen. Gleichzeitig müssen wir unsere Kosten eindämmen. Darum werden bei unseren Anerkennungsprogrammen mit sofortiger Wirkung und bis auf weiteres einige Einschränkungen vorgenommen.
Die Möglichkeit zur Bestellung von Jubiläumsgeschenken aus dem Auszeichnungsprogramm UPS Servicejahre wird ausgesetzt."
Liebe Kolleginnen und Kollegen, im Klartext bedeutet dies: Nada, es gibt keine Jubiläumsgeschenke mehr. Produktion und Verteilung der Weihnachtsboxen werden ebenfalls ausgesetzt. Auch hier wird es in Zukunft kein Weihnachtsgeschenk mehr geben.
Es heißt, UPS brauche Sie in Sachen Geschäftswachstum.
Ich zitiere: „Angesichts der Folgen, die die Wirtschaftskrise für unser Geschäft hat, müssen wir jedoch Alternativen finden, um zu wachsen und unsere Ziele zu erreichen."
Eine Frage drängt sich einem förmlich auf:
Wieso seid ihr immer diejenigen, die in den sauren Apfel beißen müssen? Warum macht man Abstriche immer nur bei Euch??
Weihnachtsgeschenke und die Jubiläumszuwendungen haben einen symbolischen Wert in Augen unserer Mitarbeiter. Wir sitzen alle in einem Boot. Daher sollte jeder, ich wiederhole JEDER beim Sparpaket mitmachen. Das betrifft in erster Linie auch die Management Ebene.
Bei etlichen Firmen werden Abstriche bei Management Gehältern gemacht, weil man hier viel einsparen kann. Zumindest sollte erkennbar sein, dass sie auch verzichten. Bei UPS wird genau das Gegenteil praktiziert. Die Manager erhalten Dienstwagen und könnten, um ein Zeichen zu setzen, locker darauf verzichten.
Ein weiteres Beispiel sind die ach so geschätzten Aktienzuwendungen für alle Vorgesetzten ab Supervisor aufwärts. Soll man doch auch hier mal anteilig in solchen schwierigen Zeiten verzichten, um das Unternehmen zu unterstützen.
Ich meine: gerade ihr habt zumindest anteilig Aktien verdient. Ihr seid diejenigen, die den Profit erwirtschaften.
Wieso erhaltet ihr keine Aktien?
Sobald Verluste anstehen, seid ihr sofort an Sparmassnahmen beteiligt, es drohen Kürzungen in allen Bereichen. Die Management Ebene ist außen vor. Sparmassnahmen greifen bei Ihnen nicht.
Seid ihr denn weniger Wert oder wie soll man das verstehen?
Sparen ja, aber dann bitteschön alle!!
Was wird denn der nächste Schritt seien?
Kürzung des Weihnachtsgeldes? Abbau von Stellen? Leiharbeitnehmer?
Wir werden uns als Gewerkschaft vehement dagegen wehren, dass man immer mehr von uns (dem kleinen Mann) wegnimmt.
Wir als ver.di machen diese Spielchen nicht mit.
In diesem Sinne: Gemeinsam sind wir stark!


sonst gehts euch gut???