StarCup04: Siemens macht mobil gegen Arbeitnehmerrechte weltweit
Pressemitteilung
Auf dem Vereinsgelände des TSV 1860 München werden am Samstag, den 17. Juli Promis für Kids kicken : Stars von Bühne, Funk und Fernsehen präsentieren sich einen Tag lang auf dem Spielfeld, vor Mikrophonen und Kameras. Ziel der Großveranstaltung von Siemens mobile ist es, eine stolze Summe für die UNICEF Kinderhilfe zu sammeln. Der Promi- Aufmarsch ist ganz im Sinne der Siemens-Philosophie, die von hehren Zielen regiert wird: Wir tragen gesellschaftliche Verantwortung und engagieren uns für eine bessere Welt , heißt es auf der Website von Siemens.
Das klingt gut, denn eine bessere Welt wollen schließlich alle. Umso bedauerlicher, dass in der schönen heilen Welt von Siemens Rechte von Arbeitnehmer/-innen missachtet und gewerkschaftliche Aktive diskriminiert werden. Proteste von Belegschaften und Gewerkschaften hierzulande richteten sich in letzter Zeit verstärkt gegen die Praxis des Offshoring , also gegen die Auslagerung von Betrieben in so genannte Billiglohnländer . Gleichwohl übt Siemens über die Drohung mit Offshoring erfolgreich Druck auf die Belegschaften aus, faktische Lohnkürzungen durch Erhöhung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich in Kauf zu nehmen.
Weniger bekannt ist, dass in der besseren Welt von Siemens auch jenseits des Atlantiks Beschäftigte derzeit verschärft die Rücksichtslosigkeit des Konzerns zu spüren bekommen. Etwa bei der OSRAM-Sylvania im US-Bundesstaat Kentucky, zweitgrößte Leuchtenfabrikantin der Welt gilt und Teil des Siemens-Imperiums. Die mehr als 200 Beschäftigten von OSRAM-Sylvania haben im August 2003 begonnen, sich in der Elektrikergewerkschaft IBEW zu organisieren. Gründe dafür gab es viele. Zum Beispiel eine im Lauf der letzten Jahre erfolgte fast 300%ige Erhöhung ihrer Krankenversicherungsprämie. Oder die willkürliche Bevorzugung bzw. Benachteiligung einzelner Beschäftigte durch die Betriebsleitung. Nicht zuletzt geht es den Beschäftigten darum, einen Tarifvertrag durchzusetzen.
Das OSRAM-Management fuhr darauf hin scharfe Geschütze auf. So berichten IBEW-Vertreter von der Einstellung zweier so genannter Union Busters . Das sind Unternehmens berater , deren Spezialität die Einschüchterung von gewerkschaftlich organisierten Belegschaften ist. Ziel ihrer Arbeit sei es, so erklären die beiden Spezialisten auf ihrer Website, ihren Kunden zu einem gewerkschaftsfreien Umfeld zu verhelfen. Ziel der Einschüchterungskampagne seitens des OSRAM-Managements ist es nicht zuletzt, die Tarifverhandlungen mit allen Mitteln in die Länge zu ziehen. Gezieltes Mobbing der Tarifkommissionsmitglieder durch fortgesetzte massive öffentliche Beleidigungen ist Teil dieser Strategie. Außerdem führte das Management Zwangsbefragungen zum Thema Gewerkschaftszugehörigkeit in der Belegschaft durch. Diese Aktivitäten haben inzwischen die US-Arbeitsrechtsbehörde NLRB auf den Plan gerufen, die Klage gegen OSRAM-Sylvania eingereicht hat. Im Klartext: In der besseren Welt von Siemens/OSRAM in Kentucky werden Rechte von Arbeitnehmer/-innen mit Füßen getreten.
Für weitere Informationen stehen wir Ihnen beim StarCup in München am 17.07.04. ab 14 Uhr vor dem Haupteingang des Vereinsgeländes (Grünwalder Str. 114) gerne zur Verfügung.
Kontakt:
Jeffrey Raffo, Campaigner
Organisierung & Kampagnen (OrKa)
(0171) 2 12 85 94
Gary Klinglesmith, Gewerkschaftssekretär
International Brotherhood of Electricians (IBEW)
(spricht nur Englisch)
+1 502-550-8151
+1 859-226-9654 (IBEW-Hotline zu OSRAM-Sylvania)

