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Brief aus Jaitapur in Indien

erstellt von Max Moritz zuletzt verändert: 26.10.2014 16:48
Dokumentation des Briefes des "Komitees zum Schutz der Menschenrechte" ("Jan Hakka Seva Samiti") in Jaitapur an Beschäftigte bei Areva, BPR, etc.:

An die Beschäftigten

bei Areva,

bei der BPR-Gruppe

und bei anderen Areva-Lieferanten

Liebe Freunde,

wir leben in Indien in der Stadt Jaitapur und in den benachbarten Dörfern. Hier plant die indische Regierung das größte Atomkraftwerk der Welt. Wir sind hauptsächlich Bauern und Fischer, unser Leben basiert vollständig auf natürlichen Ressourcen.

Die Konkanküste, an der Jaitapur liegt, verfügt über große Naturreichtümer und ist wissenschaftlich gesprochen ein Biodiversitäts-Hotspot. Der Teil der Westghats, in dem unsere Ortschaften liegen, wurde zum Weltnaturerbe erklärt. Dieses Region ist ein Geschenk der Natur, eine bekannte Touristenattraktion unseres Staates.

Wir heißen Sie und Ihre Familien als Touristen willkommen, wir sichern Ihnen unsere Gastfreundschaft zu. Es ist allerdings auch möglich, dass Sie als Atomarbeiter für das geplante Atomkraftprojekt zu uns kommen. Der sogenannte „Kernkraftpark Jaitapur” soll von Areva gebaut werden. Rund 2.500 Bauern haben wegen des Projekts insgesamt 1.000 ha landwirtschaftliche Flächen verloren. Unsere Regierung hat dieses Land zwangsenteignet, ohne unsere Zustimmung. Viele von uns hatten nur dieses Stück Land. Diese Bauern sind nun landlos. Mehr als zehntausend Fischer sind vollständig auf den Fischfang aus dem Meer angewiesen, das mit heißen Wasser aus dem Atomkraftwerk verunreinigt werden soll. Es besteht die große Gefahr, dass zehntausend Fischer für immer ihre Lebensgrundlage verlieren werden, so wie die Fischer in der Nähe anderer Atomkraftwerke. Deswegen haben wir, Tausende Fischer und Bauern, seit Jahren gegen dieses weltgrößte Atomkraftwerk protestiert. Wir bitten Sie, unseren Kampf gegen die Verletzung unserer Menschenrechte zu unterstützen und unser schönes Land zu retten.

Wir verstehen, dass Sie für Ihren Lebensunterhalt und für Ihre Familie arbeiten. Aber Ihre Arbeit trägt dazu bei, Tausende von armen Bauern und Fischerfamilien zu schädigen und erwerbslos zu machen. In Indien arbeitslos zu sein, hat eine ganz andere Dimension als in Europa. Wir haben in Indien keinerlei Sozialversicherung. Beteiligen Sie sich bitte nicht an einer Arbeit, die in einem anderen Teil der Welt tausenden Menschen die Lebensgrundlage entzieht.

Die deutsche Regierung hat den Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen, weil diese zu gefährlich ist. Atomkraft ist nicht nur für die Menschen in Deutschland gefährlich. Sie ist für alle Menschen auf der ganzen Welt gleich gefährlich. Oder glauben Sie, unsere Gesundheit und unser Leben sind weniger wichtig als die der Menschen in Deutschland. Wir bitten Sie, keine Atomkraftwerke zu exportieren. Bitte hören Sie auf, für Atomkraft zu arbeiten.

Wir danke Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen

Es folgen die Unterschriften der Vorstandsmitglieder des Komitees zum Schutz der Menschenrechte Jaitapur

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