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Kundgebung für Kaiser's-Kassiererin Emmely

by Solidarität mit Emmely posted on 09.05.2009 16:39 last modified 09.05.2009 16:39

Heute fand um 16.30 Uhr am Kottbusser Tor in Berlin eine Kundgebung für Emmely, die gekündigte Kaiser's-Kassiererin statt. Emmely war vor ca. 1 Jahr fristlos gekündigt worden, weil sie angeblich Pfandbons im Wert von 1,30 Euro falsch eingelöst hatte – und das nach 31 Jahren im gleichen Arbeitsverhältnis. Emmely bestreitet die Vorwürfe. Tatsächlich war sie es, die den Einzelhandelsstreik 2007/2008 in ihrer Filiale für ver.di organisiert hat. (Hintergrundinfo zu Emmelys Fall und zum Konstrukt der arbeitgeberfreundlichen „Verdachtskündigung“ gibt es unter http://emmely.org.)

Ca. 75 Leute versammelten sich nach 16.30 Uhr am Gemüsestand 30m entfernt vom Kaiser's. Die PassantInnen nahmen uns interessiert unsere Flugblätter ab und der Wettergott hatte ein Einsehen, so dass wir auch halbwegs trocken bis zum Ende durchkamen. Leider durften wir nicht direkt vor dem Kaiser's stehen, das hatten wir trotz Diskussionen mit der Polizei nicht aushandeln können. Sogar einige Flugblattverteilende wurden unfreundlich aus der Nähe des Kaiser's vertrieben (innen drin im Kaiser's wie immer viel Security, an die wir uns nicht wirklich rangetraut haben, obwohl die wahrscheinlich auch nur 5 Euro pro Stunde kriegen).

Der erste Redebetrag entstammte aus einem Bündnis von Gruppen, die in Berlin regelmäßige Aktionen zum Thema „Wir zahlen nicht für Eure Krise“, sh. auch bundesweite Demo am 28.3., plant. Link für die Großdemo: http://kapitalismuskrise.org/.

Im Anschluss stellte jemand vom Komitee Solidarität für Emmely noch einmal die Fakten zum Fall vor und forderte alle Anwesenden auf, zahlreich zum Prozess zu erscheinen.

Anschließend sprach kurz Gesine Lötzsch von der Linkspartei und fordert menschenwürdige Arbeitsverhältnisse. Sie berichtete, dass sie eine Anfrage an die Bundesregierung gestellt hätte, ob die Rechtssprechung der Verdachtskündigung nicht abgeschafft gehöre. Die jetzige Bundesregierung sei aber nicht dieser Meinung.

Um nicht unfair zu sein und auch der Gegenseite das Wort zu erteilen, sprach auch Archi, die dicke Kaffeekanne von Kaiser's, und schilderte ihre Sicht auf den Sachverhalt. Die Kanne meinte, dass streiken nur bei anderen ok sei, aber nicht bei Kaiser's. Kaiser's ist dafür da, dass es allen in Deutschland gut geht, und wenn da diese StreikterroristInnen kommen und alles in den Dreck ziehen, da kriegt die Kaffeekanne Haifischzähne. Archi die Kaffeekanne war aber nicht sehr ängstlich, am Dienstag verlieren zu müssen, denn auf die deutsche Rechtssprechung kann ein Unternehmer sich verlassen.

Eine Person von der Gruppe Soziale Kämpfe (http://www.gruppe-soziale-kaempfe.org/) ging das Thema etwas globaler an und thematisierte neben den Arbeitsverhältnissen im Einzelhandel die Verhältnisse, unter welchen Lebensmittel produziert werden, damit sie bei uns billig verkauft werden können.

Die FAU (Freie ArbeiterInnen Union) stellte dann noch vor, dass es nicht nur Emmely gibt, sondern auch Oli, und das Oli in Berlin Marzahn als ABM bei der ZIM rausgeschmissen wurde, weil er dortige Verhältnisse kritisierte. Der nationale und internationale Aufruf, sich zahlreich bei der ZIM zu beschweren, sei bisher ziemlich erfolgreich. (http://de.indymedia.org/2009/01/237868.shtml)

Schließlich wurde das Mikrophon geöffnet, und dem Aufruf des ersten Sprechers, dass wir jetzt alle mal zusammen zum Kaiser's rübergehen, kamen dann auch gleich ca. 30 Personen nach. Da diese Aktionsidee offen über das Mikrophon kommuniziert wurde, hatten endlich auch einmal die KollegInnen von der Polizei die Chance, sich offen zu solidarisieren und blockierten den Supermarkt noch bevor wir diesen über die Rote Ampel erreichen konnten. Also standen wir da so alle zusammen und mindestens 3 oder 5 Minuten traute sich niemand rein oder raus. Gute Idee eigentlich, aber irgendwie muss dann was schiefgelaufen sein, denn plötzlich bekamen wir alle Platzverweise. Die Menge war ob dieser plötzlichen Wendung verwirrt und erfernte sich nur sehr zögerlich. Einer Polizistin ging das zu langsam und sie fing gleich an, eine andere Frau wegzuschubsen. Auf Nachfrage, was dann denn solle, entgegnete sie, sie hätte vorher schon 2 mal freundlich gefragt.

Damit war die Veranstaltung dann auch beendet (oder?) und wir sind guter Dinge, dass wir am Dienstag Kaiser's wieder viel Freude bereiten können. Deswegen: Erscheint zahlreich zur nächsten Kundgebung am Dienstag, 27.1.2009, um 9.30 Uhr vor dem Landesarbeitsgericht Berlin am Magdeburger Platz 1. Die Verhandlung findet um 10.30 Uhr im Saal 334 statt. Und wenn Ihr öfter mal beim Kaiser's seid – dann besucht doch auch mal die Filialleitung und sagt denen die Meinung.

Zu guter letzt sei noch einmal erwähnt, warum wir es so wichtig finden, dass Emmely unterstützt wird: Wenn sie sich tatsächlich durchsetzen kann, wäre das ein wichtiges Signal für ihre KollegInnen, dass Kaiser's-Beschäftigte, die sich wehren, streiken, oder auf die Beibehaltung von Zuschlägen bestehen, nicht einfach so feuern kann.

Hintergrundinfos: http://emmely.org
Kommitee Solidarität mit Emmely

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