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Verfassungsfeind ?

erstellt von dave — zuletzt verändert: 21.09.2012 06:39
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Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 12.Mai 2005 09:41
In Artikel 14, Absatz 2, des Grundgesetzes heisst es: "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen." Herr Kleinfeld sagte laut Berliner Zeitung: "Verantwortung trage ich vor allem gegenüber unseren Aktionären. Gegenüber Deutschland verspüre er eine solche nicht." Ist Herr Kleinfeld damit ein Verfassungsfeind? Das ist vielleicht etwas überspitzt formuliert. Aber gefühlsmässig ist es genau das, was ich immer wieder in unserer Gesellschaft sehe: Unternehmer sehen nur noch ihren Gewinn. Die ehemalige "soziale Marktwirtschaft", die auch die Rechte und Bedürfnisse der Arbeitnehmer beinhaltete, wird mit Füssen getreten. Das ist m.E. wirklich eine Demontage unseres Staates! Ähnliches sehe ich bei vielen anderen Verantwortlichen: - Eine Bundesregierung, die nicht die Interessen ihrer Wähler vertritt. - Parteien, die nicht den politischen Willen der Wähler und nicht das Wohl des Staates vertreten, sondern ausschliesslich ihre eigenen Machtinteressen. - Gewerkschaften, die (teilweise) mit den Arbeitgebern klüngeln, statt für die Arbeitnehmer zu kämpfen. - Ein Betriebsrat, der nicht die Interessen der Mitarbeiter vertritt. Sind die alle bestochen? Oder haben sie eine höhere Einsicht, die sich mir leider bislang verschliesst? Ich glaube, die "höhere Einsicht" liegt bei nur Geld und Macht. Damit wären wir wieder am Anfang: Eigentum = Geld verpflichtet! Wozu? Noch mehr Geld zu machen. :zz: Sind das jetzt alles Verfassungsfeinde? Sch.....! Was können wir tun?

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 12.Mai 2005 10:46
Ich sehe es eher so, daß sich an dem was Kapitalismus ist und schon immer war, grundsätzlich nichts geändert hat: An den Geschäftszwecken der Unternehmen hat sich nichts geändert, an den Kalkulationen der Unternehmen hat sich nichts geändert, an der Staatsraison, wie Wirtschaft zu gehen hat, hat sich nichts geändert, die Gesetzeslage hat sich nicht so geändert, daß Kapitalismus nicht mehr gehen würde.... Wäre ja auch Quatsch, das ist ja gerade die Art zu wirtschaften, die in diesem Staatswesen gilt! Insofern ist die "heile" Welt einer sozialen Marktwirtschaft, die Du dir zurückwünschst ein falsches Urteil über die Realität. Wenn es mal 15 oder 20 Jahre bei uns (sonstwo übrigens nicht) gab, wo Arbeit so billig war, daß Unternehmer nicht genug davon kriegen konnten, waren in der Arbeitslosigkeit kaum Leute. Etwas hat sich geändert: Die Staaten haben entsprechend ihrer Raison (Eigentum verpflichtet!) g l o b a l für Bedingungen gesorgt, daß "ihre" Unternehmen die Billigkeit der Arbeiter weltweit vergleichen und auch anwenden können! Vielleicht kommt dem Indoniesier seine aktuelle Beschäftigung zum "Hungerlohn" auch als "soziale Marktwirtschaft" gegenüber seinem Leben vorher vor. Würdest Du das als richtiges Urteil über diesen Sachverhalt bezeichnen? Arbeitnehmer sind und waren in dieser Wirtschaft ob in Phasen als sie soziale Marktwirtschaft hies- oder heute-, wo sie wieder Kapitalismus heißen darf,immer Mittel zum Zweck für Unternehmer, aus ihrem Geld mehr Geld zu machen. Und in d i e s e r Rechnung (an der hat sich n i c h t s geändert) sind sie die negative Größe, die den Gewinn schmälert: ihre Löhne sind Kosten! Damit ist klar: Die Rationalität dieser Wirtschaft liegt in der Billigkeit der Löhne! Das ist alles durch Dein Grundgesetz abgedeckt. Und der Verpflichtung fürs Allgemeinwohl kommen die Unternehmen doch nach: Wenn die Geschäfte aufgehen, fallen auch ein paar Steuern an. Aber aufgepasst: es ist staatlich anerkannt, daß die Verpflichtung ihr Maß an internationalen Gepflogenheiten hat: je niedriger die Steuern, desto besser für den Standort- also auch fürs Gemeinwohl! Deine Frage "Verfassungsfeind?" ist nur kindisch: Da bekennt sich mal einer, kein N a t i o n a l i s t zu sein, dann kommst Du mit Verfassungsfeind. Weißt Du, daß die NPD voll auf Deiner Linie liegt. Die haben nur ein anderes Wort dafür: Vaterlandsverräter! Deine Thesen, Logik und Schlußfolgerungen zu Regierung, Demokratie ..sind alle falsch! "Ähnliches sehe ich bei vielen anderen Verantwortlichen: - Eine Bundesregierung, die nicht die Interessen ihrer Wähler vertritt. - Parteien, die nicht den politischen Willen der Wähler und nicht das Wohl des Staates vertreten, sondern ausschliesslich ihre eigenen Machtinteressen." Solche Positionen wirst Du bei der NPD massenweise finden! Auch die : "Sind die alle bestochen?" Es ist viel einfacher: Demokratie ist eine Herrschaftsform: Von der einen Wahl bis zur nächsten wird jeder regiert. Die Regierung ist dabei frei: Sie hat überhaupt nicht die Pflicht, einen Wählerwillen zu realisieren! Sie setzt das aus ihrer Sicht Notwendige im Rahmen der gültigen Staatsraison um. Die Staatsraison selbst, steht n i e zur Wahl! Weißt Du jetzt wer die wirklichen Verfassungsfeinde sind? Diejenigen, die nicht einsehen, warum ihr Privatinteresse an einem anständigen Leben durch ein anderes Privatinteresse, nämlich das nach "gutem" Gewinn, für ungültig erklärt wird - und genau dieser Sachverhalt entspricht dem, was hier gültige Staatsraison ist- also widerspricht ihr gerade n i c h t ! Alles klar?

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 12.Mai 2005 21:02
Lieber Kollege, eine Frage deines Vorredners hast du nicht beantwortet: "Sch..Was können wir tun?" Ich denke zwei Dinge sind enorm wichtig: Alle Gedanken, die sich die Kolleginnen und Kollegen zur Zeit machen, drehen sich um die Frage, wie wir erfolgreich um unsere Interessen und unsere Rechte kämpfen können. Angesichts einer Situation, in der sämtliche Leute, die uns versprochen haben, das für uns zu tun, das eben nicht tun. Es kommt also enorm darauf an, die Kräfte zu entdecken und zu unterstützen, die tatsächlich auf unserer Seite stehen und gleichzeitig die Fähigkeit zur Kontrolle zu entwickeln. Sehr schön wird der Konflikt deutlich an den Aussagen des BR Siemens München Hofmannstraße: Sie verlangen Vertrauen und erklären gleichzeitig, daß ihre Beschlüsse nichts wert sind, weil sie jederzeit andere Beschlüsse fassen können. Das ist eine echte Herausforderung. Im NCI gibt es Kräfte, die sich der unbedingten Kontrolle stellen und sie regelrecht organisieren. Das ist der zukunftsweisende Weg. Er setzt auf das dialektische Verhältnis von Führung und Basis. Beide müssen ihren Part voll wahrnehmen. Einer ist ohne den anderen nichts. Gruß Friederike

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 13.Mai 2005 15:32
@Anonyoumus: Zunächst einmal habe ich es dick, wenn jemand einen anderen niedermacht mit "Deine Frage "Verfassungsfeind?" ist nur kindisch", "Das ist alles durch Dein Grundgesetz abgedeckt, "Deine Thesen, Logik und Schlußfolgerungen zu Regierung, Demokratie ..sind alle falsch!" und dann noch den Vergleich zur NPD zieht". Damit disqualifizierst du dich selbst. @Friederike Friederike, du hast es klar ausgedrückt. Hier werden Fragen gestellt und die Kollegen machen sich Gedanken, was man tun kann, um den Grundsatz der sozialen Marktwirtschaft, der unveränderbar in Art. 20 auch meines Grundgesetzes festgeschrieben ist. Es ist das Grundgesetz aller deutschen Bürger und ich stehe zu den Grundwerten darin. Es geht darum, Rechte, die man hat zu erhalten, auch zu verändern, um ihre Einhaltung zu kämpfen. Ein Recht, das nicht in Anspruch genommen wird, ist ein totes Recht. Der sog. kleine Mann/Frau ist nicht hilflos. Er muss nur lernen, für seine Rechte einzustehen. Das ist der erste Schritt zu besseren Kräfteverhältnissen. Durch Bewusstseinsbildung, durch Aufklärung, durch Aktives eintreten für Rechte, durch Reden, statt Schweigen, kann man die Politik verändern - langsam zumindest. Aber durch die Haltung: da kann man eh nichts machen, erst wenn wir eine neue Gesellschaft haben (wie auch immer die aussehen mag) wird alles besser, bringt uns keinen Schritt weiter. Wir müssen mit den Mitteln, die wir haben, etwas tun und wir tun zu wenig mit diesen Mitteln. Es sind nicht die großen Theorien, die die Menschen vorwärtsbringen, sondern die vielen kleine Taten, der Mut von einzelnen, die mehr werden sollten.

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 13.Mai 2005 16:59
@Friderieke "eine Frage deines Vorredners hast du nicht beantwortet: "Sch..Was können wir tun?" " Ja, Du hast recht, es kommt nicht so richtig raus. Ich dachte, dem Kollegen mit den vielen Illusionen über den Kapitalismus, der die Arbeiter nicht reich macht, über die Demokratie, in der der Wählerwille immer unter geht, über die Poltiker, die angeblich immer versagen, über die Unternehmer, die für Deutschland nichts übrig haben sollte ich mit meinem zugegeben etwas provokanten Beitrag zum Nachdenken anregen. Die Antwort auf seine Frage steckt in meinem Statement schon drin: Ich habe nämlich mitgeteilt: ich halte seine Gedanken für falsche Urteile über die Gegenstände, die er beklagt und habe versucht, dem meine Gegenthesen gegenüberzustellen. Daraus geht schon hervor , was wir tun können. Was tun "diejenigen,die nicht einsehen, warum ihr Privatinteresse an einem anständigen Leben durch ein anderes Privatinteresse, nämlich das nach "gutem" Gewinn, für ungültig erklärt wird"? Sie schaffen sich Klarheit über die wirklichen Ursachen ihrer Unzufriedenheit und sammeln Kräfte, um Schluß zu machen mit den Verhältnissen, die nur zu ihrem Schaden sind und zum Nutzen anderer.

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 13.Mai 2005 17:14
@Anonymous daß mein Statment in gewisser Weise etwas Provokantes hat, will ich nicht abstreiten. Es zwingt Dich ja auch keiner, meine Thesen zu teilen. Ich denke nur, daß dort auch ein paar Argumente stehen, auf die Du nicht eingegangen bist. Teilst Du sie? Wieso soll ein Unternehmer, der kein Nationalist ist, ein Verfassungsfeind sein? Also der Kollege fordert doch damit wohl ein , was seiner Meinung nach andere Bürger haben sollen, also die Unternehmer auch: Was für Deutschland übrig- stolz sein auf Deutschland. Und ich sage: Das unterschreibt halt jeder NPD ler! Willst Du das etwa bestreiten? Dann empfehle ich Dir mal den Besuch der NPD Homepage. Dort kannst Du sowas finden. Ich hab mit der NPD nichts am Hut. Deshalb finde ich, sollten Arbeiter für Deutschland nichts übrig haben! Sind wir uns da einig? Oder disqualifiziert mich so ein Standpunkt?

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 13.Mai 2005 17:54
Wer sich zusammenschließen will, darf nicht überheblich sein. Und wenn er hundertmal die Dinge anders sieht. Das war die Kritik des Kollegen und ich teile sie. Gruß Friederike

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 13.Mai 2005 18:07
Also ich sehe in dem Beitrag des Kollegen nichts nationalsozialistisches. Die Aussage "keine Verantwortung für Deutschland" ist die von Kleinfeld. Und es ist doch nicht prinzipiell was schlechtes, Verantwortung für Deutschland zu empfinden, Franzosen empfinden auch Verantwortung für ihr Land, Amerikaner lassen auf ihr Land nichts kommen. Dieses Empfinden darf jedoch nicht so weit gehen, noch nicht einmal annähernd, dass es sich gegen andere Bevölkerungsgruppen und Völker richtet. Das mit dem Verfassungsfeind war zynisch gemeint - habe ich zumindest so verstanden. Ein Unternehmer muss kein Nationalist sein, um Verantwortung für ein Land zu empfinden, welches mit dazu beigetragen hat, dass diese Firma groß wird. Und bei Siemens ist das so. Über Jahrzehnte waren die (damalige) dt. Post (mit Telefon etc.) und Siemens fast eine Wirtschafteinheit. Dadurch ist die Firma zu dem geworden, was sie heute ist. Ein bisschen Verantwortung schadet wirklich nicht, denn wenn wir hier in Deutschland keine Arbeitsplätze mehr haben, dann könnte es sein, dass wir ganz schnell wieder einen Nationalsozialismus haben und ich denken, dass wollen wir beide nicht!

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 13.Mai 2005 18:56
Wer sich zusammenschließen will, der sollte das mit seinesgleichen tun und nicht an nationalen Grenzen aufhören. Nationalisten sehen das anders, weil für sie der Internationalismus eben ein Angriff bedeutet. Wie soll die im Beitrag von Dave "A new kind of internationalism: a global solidarity unionism" ( http://www.netzwerkit.de/projekte/offshoring/nbg-prop030405 ) angeregte Internationalismus je verfolgt werden können, wenn Kollegen lieber einen nationalen Standpunkt teilen. Ist es da nicht erforderlich, das zu kritisieren? Und da leuchtet mir wirklich was nicht ein: sich für ein Land stark machen sollen, Partei ergreifen sollen, daß gerade den größten Angriff auf die Interessen der arbeitenden Bevölkerung nach dem 2. Weltkrieg fährt: Hartz 4, Agenda, Rentenreform, Gesundheitsreform, Lohndumping.... Sich nicht für Deutschland stark machen wollen sondern für die Belange der Beschäftigten -international, das sollten Beschäftigte tun. Und daß diese Belange nicht deckungsgleich mit denen Deutschlands sind -ja das liegt doch auf der Hand: Mit Deutschland kanns nur aufwärts gehen, wenn die Leute ärmer gemacht sind. Das sind die anerkannten Statements von H.W. Sinn bis Schröder. Ich meine, ein guter Gewerkschafter kann kein Nationalist sein wollen. Egal in welcher Schattierung. Es gibt welche, die nennen das dann Patriotismus, meinen aber das Gleiche.

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 14.Mai 2005 22:19
Ich glaube, du willst nicht verstehen. Hier ist niemand ein Nationalist oder Patriot. Internationalität schließt doch das eigene Land nicht aus, sondern es muss es sogar einschließen (das gilt für alle Länder, damit du mir nicht gleich wieder Nationalist unterstellst), ansonsten kann das jeweilige Land nicht international tätig sein. Internationalität funktioniert nur, wenn jedes Land die Nationalität seiner Nachbarn achte. Internationalität bedeutet nicht, dass alle gleich sein müssen, sondern bedeutet, dass alle die Menschenrechte achten, Meinungsäußerungen frei zulassen und Arbeitsbedingungen in allen Ländern entwickelt werden, die den Menschen ein menschenwürdiges Leben (deutlich über der Armutgrenze) ermöglicht.

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 14.Mai 2005 22:33
Klasse Antwort! Ich habe auch lange überlegt. Gruß Friederike

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 15.Mai 2005 09:09
"Und es ist doch nicht prinzipiell was schlechtes, Verantwortung für Deutschland zu empfinden, Franzosen empfinden auch Verantwortung für ihr Land, Amerikaner lassen auf ihr Land nichts kommen." Dagegen hab ich argumentiert - auch mit dem Hinweis (der Frage)in Bezug auf den Beitrag von Dave, der leider nur in Englisch vorliegt: "Und da leuchtet mir wirklich was nicht ein: sich für ein Land stark machen sollen, Partei ergreifen sollen, daß gerade den größten Angriff auf die Interessen der arbeitenden Bevölkerung nach dem 2. Weltkrieg fährt: Hartz 4, Agenda, Rentenreform, Gesundheitsreform, Lohndumping...."

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 15.Mai 2005 13:24
Ich habe keine Lust mehr dazu. Es geht doch nicht darum sich für Hartz IV einzusetzen. Ich sag ja, du willst mich nicht verstehen.

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 15.Mai 2005 13:33
Ich schätze für ihn ist Deutschland identisch mit der Regierung bzw. dem Staat. Die Kollegen, wie wir, oder auch ein Heinrich Heine oder gar ein Karl Marx gehören für ihn nicht dazu. Aber ich finde auch, das erste ist doch, daß man sich bemühen muß, den anderen zu verstehen und nicht gleich, nachdem man einen Begriff gehört hat, der einem nicht gefällt, einen Standpunkt unterstellt und sich mit dem dann auseinandersetzt, anstatt erst mal nachzufragen, welchen Standpunkt der andere denn genau hat, bzw. was er meint. Gruß Friederike

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 15.Mai 2005 17:03
Da ich hier selbst angesprochen werde, möchte ich auch noch meinen Senf dazugeben. Wir leben mittlerweile in einer vermehrt globalisierten und vernetzten Welt. Dank der weltweiten Computervernetzung können Unternehmen ihre Geschäfte in einem weltweiten Rahmen koordinieren und durchführen. Der Konkurrenzkampf findet auf Weltebene statt – und dies gilt nicht nur für die Konzernen, sondern auch für uns. Auch bei den Beschäftigten gibt es jetzt einen weltweiten Kampf um die Arbeitsplätze. Das sehen wir am besten, wenn wir das Thema Offshoring betrachten. Dabei sieht man, daß die traditionellen Formen der Aktion durch Gewerkschaften, Betriebsräte, Tarifverhandlungen und politische Parteien in unfähig sind, sich zu verteidigen oder gar Siege zu erringen. Um ein einfaches Beispiel zu geben: die Daseinsberechtigung der jetztigen Gewerkschaften besteht darin, die Konkurrenz zwischen den Beschäftigten aufzuheben. Das schaffen sie nicht mehr. Die werden nicht Herrin einer weltweiten Konkurrenz. Es findet ein weltweiter „race to the bottom“ (Wettlauf nach unten) statt. Daß die Konzernen sich entsprechend den gegebenen Bedingungen verhalten, ist nicht überraschend. Wir sind Kosten („Human Ressources“) und die Standorte sind rechtliche Einheiten, die geschaffen werden, um irgendwelche Teilaufgaben in einem weltweit vernetzen Ganzen zu erledigen und dabei keinen Steuer zu bezahlen bzw. so wenig wie möglich. Eine einfache Frage gibt es dazu: Wieviele Beschäftigten gibt es noch bei Siemens in Deutschland und wieviel weltweit? (Ich arbeite für ein amerikanisches Unternehmen, das eine (bankrotte) holländische ex-deutsche Firma aufkaufte, weil es strategisch clever war und wir billig im Vergleich zu den Amerikanern waren. Ein gutes Beispiel von Offshoring!) Unternehmen waren früher gebunden an oder abhängig von Plätzen wie Bergwerken und Häfen, bestimmten Städten, Regionen oder Nationalstaaten. Für Beschäftigten war es deshalb möglich entweder sich zu verteidigen oder zu behaupten. Eine Antwort der Arbeiterschaft war der Versuch, das Lokale (oder der Nationalstaat zu verteidigen. In den USA organisierten Arbeiter in der Autoindustrie ziemlich wirkungslose Toyota-Zerstöraktionen. Arbeiter in der Stahlindustrie versuchten den Import von Stahl der chinesischen Niedriglohnarbeiter zu verhindern. Eine andere Antwort darauf ist zu sagen `denk global, handle lokal´. Das bedeutete die Anerkennung der Notwendigkeit der Solidarität, aber dennoch die Berücksichtigung des lokalen, nationalen oder regionalen Gebiets als entweder einzigen oder bevorzugten Kampfgebiet. Jedoch erkennt die Arbeiterbewegung (es gibt kein besseres Wort) zunehmend, daß Beschäftigte mehrfache sozialgeographische Identitäten, Interessen und Gemeinschaften haben, da sie – gleichzeitig – Nürnberger, Bayern, Deutsche, Europäer und Weltbürger sind. Lokale Proteste, wie jener "gegen die Privatisierung von Wasser in der isolierten Provinzstadt Cochabamba im isoliereten Bolivien":http://www.heise.de/tp/r4/artikel/17/17280/1.html inspirieren globale Ereignisse, wie jene gegen die Weltbank in Washington. Umgekehrt versorgen Ereignisse auf globaler Ebene oder Prozesse im Cyberspace buchstäblich die lokalen mit Informationen. Um effektiv zu sein, muß im Zeitalter der Globalisierung der Slogan lauten `denk lokal/global handle lokal/global´ – und natürlich handle im Cyberspace! Die Konzernen tun es bereits - und wir?

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 15.Mai 2005 17:52
Na in dem Beitrag von Dave steckt doch alles drin. Ausführlich erläutert. Und für die Freunde von Heine und Marx: Der Aufruf von letzterem lautete: Proletarier aller Länder vereinigt Euch. Ich versteh das als eine Absage an nationales Denken. Aber vielleicht seh ja nur ich das so?!

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 15.Mai 2005 18:35
@David Lieber David, vieles von dem, was du schreibst, sehe ich auch so. Was ich allerdings nicht nachvollziehen kann, ist, wieso sich die Gewerkschaften der Aufgabe, die internationale Vernetzung und Solidarität herzustellen, nicht stellen können sollen. (Furchtbares Deutsch) Die gegenwärtigen Niederlagen entstehen doch nicht, weil sie das nicht könnten. Sie entstehen doch vor allem, weil sie die Kampfkraft der Kollegen, wie jetzt bei Stahl wieder, nicht einsetzen wollen. Das hat m.E. eher was damit zu tun, daß heute ein Streik eben sofort internationale Bedeutung bekommt und auch internationale Solidarität, wie du bei Opel sehen konntest. Sie fürchten die Dynamik, die da drinstecken könnte und daß es ihnen entgleitet. Die Forderung: "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit - weltweit" kann m.E. von jedem Gewerkschafter überall unterschrieben werden. Gruß Friederike

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 15.Mai 2005 18:37
Vielleicht noch ein Beispiel zur Veranschaulichung meines Gedankens: Die Regierung tut was, um den deutschen Standort für Investoren attraktiver zu machen, weil sie sich dadurch mehr Arbeitsplätze auf deutschem Boden verspricht: Löhne senken, Steuern senken, Arbeitszeiten verlängern... Einer national denkenden Arbeiterbewegung würde das einleuchen, weil sie deutsche Arbeitsplätze gut findet. Sie würde vielleicht auch sagen: "Und es ist doch nicht prinzipiell was schlechtes, Verantwortung für Deutschland zu empfinden.." Also würde sie genau das tun, was Dave auch aufgezeigt hat: die Konkurrenz zu ihresgleichen eben n i c h t unterbinden sondern durch das Einverständnis mit ihrer Verbilligung a n h e i z e n. Und ich glaube, es ist kein Geheimnis: die deutschen Gewerkschaften sind auf diesem Weg.

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 15.Mai 2005 19:35
@Friederike Es ist schwierig eine einfache Antwort darauf zu geben. Die jetztigen Gewerkschaften degradieren zunehemend zu "Autoclubs für Arbeiter". Sie verteidigen nur bestimmte Arbeiterkategorien und verlieren die Interessen der arbeitenden Bevölkerung und der Gesellschaft insgesamt aus den Augen. Sie verlieren ihre Basis und sogar das Engagement der Mitglieder, die sie noch haben. Hinzu kommt, daß ihre Strukturen die eines kapitalistischen Unternehmens des 19J sind. Allerdings haben sich die Firmen weiterentwickelt ... Was wir brauchen, sind Gewerkschaften, die gleichzeitig wirtschaftlich, politisch, sozial und kulturell sind. Alle Interessen der Beschäftigten müssen anerkannt werden und dabei müssen die Gewerkschaften offen für die Nicht- und Unterbeschäftigten und für alle demokratischen sozialen Bewegungen sein. Derartige Gewerkschaften müssen daher global und solidarsch sein. Heutzutage bedeutet internationale Solidarität `internationale Beziehungen´ der Gewerkschaften, ausgeübt von Gewerkschaftsfunktionäre. Der "Internationaler Bund Freier Gewerkschaften":http://www.icftu.org hat eine Präsenz in 152 Ländern und eine Mitgliedschaft von 148 Millionen. Wer von seinen Mitgliedern kennt ihn? Wer weiß, was er tut? Leider können wir nicht warten und außerdem ist es nicht ratsam, auf eine "Vertretung" zu warten, wenn wir selbst was tun können. Wir können unsere eigene Interessen selbst wahrnehmen - durch die Verwendung von Computern und die Vernetzung können wir solche bürokratische Prozesse, politische Ausrichtungen und Pyramidenstrukturen umgehen. Kommunikation und Aktivitäten zwischen (nicht) Beschäftigten, ob sie in München oder Bangalore oder sonstwo beheimatet sind, sind jetzt möglich geworden. Zuletzt nöchte ich eine kurze Anmerkung zum Thema "Interessenvertretung" loswerden. Wenn wir uns vertreten lassen, sei es z.B. von einer Gewerkschaft oder einer Partei, trennen wir uns von denjenigen, die uns vertreten. Die Vertretung, auch wenn sie demokratisch und durch eine Wahl stattfindet, spricht für uns und ersetzt uns. Schnell entseht eine Welt der Politik. Sie ist getrennt vom täglichen Leben. Es entsteht eine Politikkaste / Gewerkschaftskaste) die ihre eigene Logik hat - die der Macht. Daher kommt diese ewige Diskussion über Gewerkschaften oder Politiker, die uns andauerend "verraten". (Nicht nur) Bei NCI sehen wir etwas neues: Ihr nehmt Eure eigenen Interessen wahr. Das macht Euch für die Gewerkschaft gefährlich. Wer will seinen (alleinigen) Vertretungsanspruch verlieren? Dave

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 15.Mai 2005 19:50
Lieber Dave, danke für deine Antwort. (Bitte entschuldige daß ich zuerst deinen Namen falsch geschrieben habe). Ich finde sie sehr interessant. Ich sehe es auch so, daß Gewerkschafter vor allem dazu sich zusammenschließen, um ihre Belange in die eigene Hand zu nehmen. Vieles von dem, was du einforderst, wird von den Kollegen auch schon getan. Sie stellen Verbindungen von Werk zu Werk her, auch international, unterstützen sich in ihren Kämpfen. Sehr wichtig finde ich auch die Allseitigkeit, die du ansprichst, also soziale, kulturelle Aufgaben, Arbeitslosenvertretung. Das finde ich vor allem als Frau wichtig, weil viele Dinge sich garnicht im Betrieb abspielen aber zu Leben und Arbeiten dazugehören. Na, ich wills jetzt nicht zu lang machen. In der Einschätzung der Besonderheit von NCI sind wir uns einig. Einen Unterschied haben wir bei dem Begriff "Gewerkschaft". Für mich sind sowohl die Führung, als auch die Mitglieder "Gewerkschaft". Und hier gibts einfach diesen Widerspruch, den du mit "Kaste" beschreibst. Aber die Gewerkschaften sind eben keine Partei. Das ist der gewaltige Unterschied, weshalb ich stets zur Mitgliedschaft in den Gewerkschaften aufrufe, was ich bei einer Partei, in der die Führung die Mitglieder bescheißt, niemals tun würde. Gruß Friederike

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 17.Mai 2005 14:10
Ich empfinde die vielen Beiträge überwiegend als positiv und richtig. Komme erst jetzt dazu, Stellung zu nehmen: > Ich sehe es eher so, daß sich an dem was Kapitalismus ist und schon immer war, > grundsätzlich nichts geändert hat: Das habe ich auch nicht behauptet. Wir haben zweifelsfrei eine kapitalistische Wirtschaftordnung; allerdings gibt es unterschiedliche Ausprägungen davon. Ich bezog mich ausdrücklich auf das Grundgesetz und auf die Situation in Deutschland. Das Konzept einer "sozialen Marktwirtschaft" wurde nach meiner Erinnerung in den 60er Jahren entwickelt, und ist durchaus kein "rot-grünes" Konzept. Eine Grundidee davon war wohl: Kapitalismus ist sinnvoll, aber die Politik muss die Bürger vor negativen Auswirkungen des Kapitalismus schützen (die Grenzen des Kapitalismus bestimmen). Von der Bundeszentrale für politische Bildung heisst es unter http://www.bpb.de/themen/SGYSTS,0,0,Soziale_Marktwirtschaft.html : "Um die sozialen Folgen eines ungehemmten Kapitalismus zu mildern, wurde in der Bundesrepublik Deutschland die Soziale Marktwirtschaft entwickelt. Dabei fällt in einem marktwirtschaftlichen System dem Staat die Rolle zu, auf sozialen Ausgleich hinzuwirken. Die Soziale Marktwirtschaft gilt heute als Grundlage der deutschen Wirtschafts- und Sozialordnung und hat große Erfolge erzielt. Die Reichweite staatlicher Eingriffe in das Marktgeschehen wird aber immer wieder diskutiert. Ist die Soziale Marktwirtschaft in Zeiten der Globalisierung noch zukunftsfähig?" Diese Frage ist sehr aktuell und gehört zum Thema. > Etwas hat sich geändert: Die Staaten haben entsprechend ihrer Raison (Eigentum > verpflichtet!) Der Passus im Grundgesetz bezieht sich auf "Eigentümer". Der Staat ist nicht Eigentümer der Unternehmen (sonst könnten diese ihm ja nicht ihre Gewinne vorenthalten :), sondern er setzt die Rahmen für die Eigentümer. > g l o b a l für Bedingungen gesorgt, daß "ihre" Unternehmen die > Billigkeit der Arbeiter weltweit vergleichen und auch anwenden können! In wessen Sinn oder Auftrag machen sie das???? Mein Staat hat dazu von mir keinen Auftrag. > Arbeitnehmer sind und waren in dieser Wirtschaft ... > die negative Größe, die den Gewinn schmälert: ihre Löhne sind Kosten! Damit > ist klar: Die Rationalität dieser Wirtschaft liegt in der Billigkeit der Löhne! a) Die Löhne machen in der Regel nur einen ganz geringen Teil der Preise aus. b) Gegen die höheren Preise, die Unternehmer in Deutschland erziehlen (z.B. für Autos oder Medikamente) habe ich von diesen noch keinen Protest gehört. :) c) Wenn Sie glauben, wir könnten über die Löhne mit Ländern wie China konkurrieren, habe ich kein Verständnis. d) Wir Arbeitnehmer sind massgeblich am Aufbau dieses Staates und dieser Wirtschaft beteiligt. Ich definiere mich nicht als negative Grösse! > Das ist alles durch Dein Grundgesetz abgedeckt. Und der Verpflichtung fürs > Allgemeinwohl kommen die Unternehmen doch nach: Wenn die Geschäfte aufgehen, > fallen auch ein paar Steuern an. Die Unternehmen entziehen sich zunehmend dieser Verpflichtung: Es war mal so, dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber den Staat jeweils etwa zur Hälfte finanziert haben. Inzwischen sind es zu ca. 80% die Arbeitnehmer! Das nenne ich wahre Grösse im Sinne des Gemeinwohls! :( > Aber aufgepasst: es ist staatlich anerkannt, daß die Verpflichtung ihr Maß an > internationalen Gepflogenheiten hat: je niedriger die Steuern, desto besser > für den Standort- also auch fürs Gemeinwohl! Je niedriger die Steuern (für Unternehmen), desto mehr Steuern für Arbeitnehmer. Das ist nicht mein Verständnis von Allgemeinwohl. > Da bekennt sich mal einer, kein N a t i o n a l i s t zu sein, dann kommst Du > mit Verfassungsfeind. Weißt Du, daß die NPD voll auf Deiner Linie liegt. Ist doch wohl lächerlich: Ich bin NPD-nahe, weil ich das Grundgesetz ernst nehme? > Es ist viel einfacher: Demokratie ist eine Herrschaftsform:.... > Die Staatsraison selbst, steht n i e zur Wahl! Sorry, mein Verständnis ist ein anderes. Laut Grundgesetz wirken die Parteien "mit bei der politischen Willensbildung". Daraus verstehe ich, dass es durchaus um den Willen der Wähler geht! Oder habe ich den Sinn einer Demokratie falsch verstanden? > Weißt Du jetzt wer die wirklichen Verfassungsfeinde sind? Diejenigen, die > nicht einsehen, warum ihr Privatinteresse an einem anständigen Leben durch ein > anderes Privatinteresse, nämlich das nach "gutem" Gewinn, für ungültig erklärt > wird - und genau dieser Sachverhalt entspricht dem, was hier gültige > Staatsraison ist- also widerspricht ihr gerade n i c h t ! Wo steht das im Grundgesetz? Klar, Ihr Beitrag ist provozierend gemeint, meiner genauso. :) Es geht mir darum, - dass wir unsere eigene Position und unsere eigenen Interessen in diesem "Spiel" sehen, - dass wir diese auch formulieren und vertreten. Und wenn ich sehe, dass meine Interessen von denjenigen, die meine Interessenvertreter sein sollten, nicht wahrgenommen werden, dann bin ich wohl zu recht unzufrieden! Was mir nicht klar ist: Was wollen Sie mit Ihrem Beitrag im Sinne von Arbeitnehmern bewirken oder aussagen?

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 17.Mai 2005 17:14
Danke für deine ausführliche Antwort. Ich wollte folgendes bewirken: 1. Zeigen, daß soziale Marktwirtschaft und das, was wir heute haben, grundsätzlich nichts anderes ist. Du sagtest: "Unternehmer sehen nur noch ihren Gewinn. Die ehemalige "soziale Marktwirtschaft", die auch die Rechte und Bedürfnisse der Arbeitnehmer beinhaltete, wird mit Füssen getreten. Das ist m.E. wirklich eine Demontage unseres Staates!" Das wollte ich mit einem Teil meiner Argumentation in meinem ersten Statement widerlegt haben. 2. Zeigen, daß die Eigentumsordnung, die das Grundgesetz garantiert und die zur Staaatsräson gehört, also die Basis der Freiheit der unternehmerischen Kalkulation für den Profit ist, n i e zur Wahl stehen. Zur Globalisierung sagst Du: "In wessen Sinn oder Auftrag machen sie das???? Mein Staat hat dazu von mir keinen Auftrag." Er fragt Dich dazu auch n i c h t! Und zu allen anderen Regierungsgeschäften auch nicht! Hab ich doch in meinem ersten Statement schon versucht zu erklären. Braucht er doch auch nicht: das ist Staatsräson! 3. Zeigen, daß die Ansicht, Politiker wären an einen Wählerwillen gebunden, ein falsches Urteil über den Sachverhalt ist. 4. Zeigen, daß es in dieser Gesellschaft einen grundsätzlichen Interessengegensatz gibt und zwar zwischen denen, die ihr Eigentum vermehren wollen (Unternehmer)in dem sie andere, die kein Eigentum haben von dem sie leben könnten (Arbeitnehmer), gemäß ihrer Kalkulation zum Zweck der Geldvermehrung einsetzen oder es lassen. Und beides bekommt den Arbeitnehmern nicht gut. Ihr Interesse an einem anständigen Leben widerspricht dem, was hier Staatsräson ist: Der ordentliche Fortgang der unternehmerischen Geschäfte erfordert ärmere Arbeiter und ein ärmeres Volk. Das ist der Bescheid aus berufenem Munde von H.W. Sinn über Merkel, Westerwelle bis Schröder zur Lage der Nation. Ich sehe es im Sinne von Arbeitnehmern als äußerst wichtig an, sich über die reale Welt nicht zu täuschen. Denn wer einen guten Grund hat, die Welt zu ändern, weil sie ihm nicht gefällt so wie sie ist, der ist auf Wissen angewiesen, auf richtige Urteile und nicht auf Ideologien. Deshalb hab ich mein Statement zur Diskussion gestellt, ich glaubte, bei Dir Standpunkte entdeckt zu haben, die ich für falsche Urteile halte und nicht teile. "Was tun "diejenigen,die nicht einsehen, warum ihr Privatinteresse an einem anständigen Leben durch ein anderes Privatinteresse, nämlich das nach "gutem" Gewinn, für ungültig erklärt wird"? Sie schaffen sich Klarheit über die wirklichen Ursachen ihrer Unzufriedenheit und sammeln Kräfte, um Schluß zu machen mit den Verhältnissen, die nur zu ihrem Schaden sind und zum Nutzen anderer." Hoffe, damit Deine Frage beantwortet zu haben. PS: Du solltest nichts persönlich nehmen; ginge ja auch nicht, wir als anonymus?!

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 19.Mai 2005 07:35
Sie wiederholen nur, was Sie schonmal geschrieben haben. Dadurch ist mir aber klar geworden, dass wir auf unterschiedlichen Ebenen argumentieren: - Ich vor dem Hintergrund einer bewusst idealistischen Sichtweise mit der Grundtendenz: "Wie sollte unser demokratisches Gemeinwesen idealerweise funktionieren? Wo tut es das nicht, was kann man tun zur Verbesserung?" Ich sehe ja auch die Realität. Aber ich würde sie gerne verbessern in Richtung meiner Ideale (bzw. im Sinne der Verfassungsväter). - Sie beschreiben die Realität. Und das hört sich zunächst so an, als sei das alles richtig so und Sie damit einverstanden. Sind Sie das? Wenn nein: Womit sind Sie nicht einverstanden? Sie schreiben dann aber: > Ich sehe es im Sinne von Arbeitnehmern als äußerst wichtig an, sich über die > reale Welt nicht zu täuschen. Denn wer einen guten Grund hat, die Welt zu > ändern, weil sie ihm nicht gefällt so wie sie ist, der ist auf Wissen > angewiesen, auf richtige Urteile und nicht auf Ideologien. > .... > "Was tun "diejenigen,die nicht einsehen, warum ihr Privatinteresse an einem > anständigen Leben durch ein anderes Privatinteresse, nämlich das nach "gutem" > Gewinn, für ungültig erklärt wird"? > Sie schaffen sich Klarheit über die wirklichen Ursachen ihrer Unzufriedenheit > und sammeln Kräfte, um Schluß zu machen mit den Verhältnissen, die nur zu > ihrem Schaden sind und zum Nutzen anderer." Daraus verstehe ich auch einen Aufruf zur Veränderung der Verhältnisse, insofern liegen wir ja garnicht weit auseinander. Nur: Mit welchen "Verhältnissen" wollen Sie Schluss machen? Die von Ihnen beschriebene Realität haben Sie ja nicht kritisiert. In welcher Richtung wollen Sie ändern, und auf welcher Werte-Basis? Wenn Sie "Schluss machen mit den Verhältnissen" sollten Sie auch eine Vorstellung haben, wie die Realität statt dessen aussehen sollte, und woran Sie das messen. Ich habe versucht, Grundwerte aus dem Grundgesetz als Maßstab zu verwenden. Welche Grundwerte würden Sie nehmen?

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 19.Mai 2005 14:24
Hallo, ich hoffe, ich kann bei dem "Du" hier bleiben? Du hast vollkommen richtig erkannt, daß ich die Welt als das, was sie real ist, zunächst beschreibe, um überhaupt die Chance zu haben, sie auch zu begreifen; sie als das, was sie ist, zu verstehen. Beispiel aus dem ersten Statement: "Arbeitnehmer sind und waren in dieser Wirtschaft ob in Phasen als sie soziale Marktwirtschaft hies- oder heute-, wo sie wieder Kapitalismus heißen darf,immer Mittel zum Zweck für Unternehmer, aus ihrem Geld mehr Geld zu machen. Und in d i e s e r Rechnung (an der hat sich n i c h t s geändert) sind sie die negative Größe, die den Gewinn schmälert: ihre Löhne sind Kosten! Damit ist klar: Die Rationalität dieser Wirtschaft liegt in der Billigkeit der Löhne!" Wer diese Sätze begriffen hat und teilt, dem wird bewußt, daß sein Interesse dann, wenn er abhängig beschäftigt ist, ständig und s y s t e m a t i s c h bestritten wird! Da liegt k e i n e Fehlfunktion vor, sondern das dem Begriff der Sache gemäße Funktionieren. Da wird ihm (hoffentlich) klar, daß nicht nur die Unternehmer sondern auch die Regierung an dieser Verbilligung arbeiten: diese Ökonomie ist Teil der Staatsräson. In der internationalen Konkurrenz kann nur der Erfolg haben, der auch mit einem günstigen (= billiges Volk) Standort aufwarten kann. Das läuft gerade ab. Wenn ich das als Faktum anerkenne, muß ich nicht dafür sein. Ein Forscher der das Aids Virus analysiert, findet das Virus auch nicht gut, nur weil er rausfinden will, wie es funktioniert. Nur so hab ich überhaupt die Chance n i c h t den Fehler zu begehen, etwas als Ideal zu denken, was nicht geht: Es gibt keine Marktwirtschaft ohne Konkurrenz, ohne Privateigentum an Produktionsmitteln, ohne Freiheit der unternehmerischen Kalkulation für den Profit und ohne arme Arbeiter. Daß Arbeiter ein Kostenfaktor sind in einer Kalkulation, in der es um die Vergrößerung eines privaten Reichtums geht, wird keiner ernsthaft bestreiten. Nur wer wirklich begreift, was das bedeutet, welche Konsequenzen das hat (für abhängig Beschäftigte), dem wird bewußt, daß die Erklärung des Kapitalismus mit seiner Kritik zusammenfällt. Ich stell mal folgende Behauptung auf: alle Projekte, Anlässe hier im Netzwerk IT, also deren wirklicher Grund, sind Folgen, (Aus)Wirkungen der Freiheit der unternehmerischen Kalkulation für den Profit. Die gibts und ohne die gibts keine Marktwirtschaft. Das ist allgemein anerkannt. Als Kritik wills keiner sehen. Sondern als Lob gefeiert wissen! Damit es nicht zum Angriff darauf kommt, gibts die Ideologien von der "Raffgier", von "Managementfehlern", von "bürokratischen Hindernissen", von "Beamtenmentalität"...... Kein Wissenschftler findet es doof über Raffgier zu reden, so als gäbe es ein Maß, daß Raffgier bei 12,9% anfängt! Die 5 oder 6 Millionen Arbeitslose gibts es wegen der ganz normalen Geschäftskalkulation der Unternehmen, wegen der Konkurrenz und deren Folgen, wegen der hohen Produktivität der Wirtschaft und wegen z u v i e l Reichtum. Kannst Du d a r a n was verbessern? Soweit erst mal. PS: "Wenn Sie "Schluss machen mit den Verhältnissen" sollten Sie auch eine Vorstellung haben, wie die Realität statt dessen aussehen sollte, und woran Sie das messen." Karl Marx hat mal gesagt: „Wir wollen nicht dogmatisch die Welt antizipieren, sondern in der Kritik der alten die neue finden.“ Also: Die real existierende "hohe Produktivität" und "z u v i e l Reichtum" (wohlgemerkt im Kapitalismus und für seinen Zweck!) sind beste Voraussetzungen für den Gedanken an ein materiell sorgenfreies Leben bei wenig Arbeitszeit! Genau das Gegenteil von dem, womit Arbeitnehmer es heute zu tun haben, was ihre (relative, hier verhungert ja keiner) Armut ausmacht.

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 20.Mai 2005 12:35
O.K., ich lasse Ihre Aussagen über die "Realität" mal so stehen. Aber nochmal meine Fragen: - Was an dieser "Realität" möchten Sie ändern? - In welche Richtung möchten Sie ändern? - Was sind die Ziele bzw. Maßstäbe? Zu Ihrer Frage: > Kannst Du d a r a n was verbessern? Nein, nicht direkt, obwohl ich gerne würde. Aber was soll diese Frage, wenn Sie garnicht darauf eingehen, was verbessert werden sollte?

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 20.Mai 2005 12:52
> Wieso soll ein Unternehmer, der kein Nationalist ist, ein Verfassungsfeind sein? Es ging nie darum, daß ein Unternehmer Nationalist sein müsse! Das ist eine Verdrehung meiner Worte. > Ich hab mit der NPD nichts am Hut. Deshalb finde ich, sollten Arbeiter für > Deutschland nichts übrig haben! Sind wir uns da einig? Oder disqualifiziert > mich so ein Standpunkt? Ja! Wenn Sie sagen, "Deutsche Arbeiter (=Bürger) sollten nichts für Deutschland übrig haben", sind auch Sie ein "Verfassungsfeind"! An die Mitleser: Bitte versteht mich nicht falsch: Ich bin alles andere, als ein NPD-ler! Aber ich bin Bürger dieses Staates. Und deshalb bin ich auch daran interessiert, daß die Lebensbedingungen in diesem Staat für mich und andere Bürger positiv sind. Ihre oben zitierte Aussage stellt Sie für mich außerhalb dieser Gesellschaft. Ich fürchte, ich bin einem Troll aufgesessen. :(

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 20.Mai 2005 13:17
Hallo, folgende Frage von Dir hab ich schon beantwortet. "Aber nochmal meine Fragen: - Was an dieser "Realität" möchten Sie ändern? - In welche Richtung möchten Sie ändern? - Was sind die Ziele bzw. Maßstäbe? Die Antwort stand im PS: "PS: "Wenn Sie "Schluss machen mit den Verhältnissen" sollten Sie auch eine Vorstellung haben, wie die Realität statt dessen aussehen sollte, und woran Sie das messen." Karl Marx hat mal gesagt: „Wir wollen nicht dogmatisch die Welt antizipieren, sondern in der Kritik der alten die neue finden.“ Also: Die real existierende "hohe Produktivität" und "z u v i e l Reichtum" (wohlgemerkt im Kapitalismus und für seinen Zweck!) sind beste Voraussetzungen für den Gedanken an ein materiell sorgenfreies Leben bei wenig Arbeitszeit! Genau das Gegenteil von dem, womit Arbeitnehmer es heute zu tun haben, was ihre (relative, hier verhungert ja keiner) Armut ausmacht." Schwierig, geb ich zu. Du erwartest vielleicht ein "Rezeptbuch", einen Forderungskatalog oder so was.. Bringt alles nix. Man muß den Kapitalismus verstehen. Denn dann hat man verstanden, was man warum nicht will und was man wollen muß, um das zu erreichen, was man sich vorgenommen hat! DAs ist der Unterschied zu deinen Idealen. Oder zu irgendeiner Utopie. Beides ist losgelöst von Wissen. Beispiel: Viele Menschen wünschen sich eine Marktwirtschaft ohne Arbeitslose. Ein schönes Ideal. Wer aber verstanden hat, was diese Wirtschaftsweise ist, der weiß, daß es das nicht geben kann! "Zu Ihrer Frage: > Kannst Du d a r a n was verbessern? Nein, nicht direkt, obwohl ich gerne würde. Aber was soll diese Frage, wenn Sie garnicht darauf eingehen, was verbessert werden sollte? Ich wollte damit klar machen, daß es Dinge gibt, wo man sich nicht vornehmem sollte, sie zu verbessern. Ihre schädlichen Wirkungen haben sie, weil sie genau so f u n k t i o n i e r e n. Wenn man die schädlichen Wirkungen nicht will, muß man für eine andere Wirtschaftsweise eintreten. 99,9% der "Kritiker" der "Probleme" der Marktwirtschaft wollen sie verbessern! Merkst Du den Fehler, den ich meine? Schönes Wochenende

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 20.Mai 2005 14:16
> Ich wollte damit klar machen, daß es Dinge gibt, wo man sich nicht vornehmem > sollte, sie zu verbessern. Ihre schädlichen Wirkungen haben sie, weil sie genau so > f u n k t i o n i e r e n. Wenn man die schädlichen Wirkungen nicht will, muß > man für eine andere Wirtschaftsweise eintreten. > 99,9% der "Kritiker" der "Probleme" der Marktwirtschaft wollen sie verbessern! > Merkst Du den Fehler, den ich meine? Aha! Weiter! Was wollen Sie wirklich?

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 20.Mai 2005 15:30
"Aha! Weiter! Was wollen Sie wirklich?" Wenn ich erkannt habe, daß der Grund für die "Probleme", die die Leute in dieser Wirtschaft haben, in dem guten Funktionieren dieser Wirtschaft liegt, also keine Fehlfunktion, keine Störung usw. vorliegt, dann geht es darum, die Unterwerfung der Leute unter die Geschäftskalkulationen der Unternehmen zu beenden. Stimmst Du mir da zu? In dieser Wirtschaft sind Arbeiter Mittel zum Zweck, um aus Geld mehr Geld zu machen. Soll das der Zweck einer neuen Wirtschaft sein? Nein, also was soll dann der Zweck sein? In dieser Wirtschaft bekommt der einen Arbeitsplatz, der sich für einen anderen lohnt, nämlich den Unternehmer. Soll so ein Verhältnis auch in einer neuen Wirtschaft gelten? Nein, also was muß ich dann wollen, damit das nicht wieder eintrifft? Was ist überhaupt die Voraussetzung für so ein Verhältnis? Wenn ich mir darüber klar bin, weiß ich, was auf keinen Fall sein darf in einer neuen Wirtschaft. In dieser Wirtschaft wird nicht gefragt, was fehlt, wovon haben wir genug?....um dann das Nötige herzustellen. Die Unternehmer produzieren für den Markt und wissen erst, wenn sie ihre Ware verkauft haben oder darauf sitzen bleiben, ob sich der Arbeitsaufwand gelohnt hat oder umsonst war. Soll sowas in einer neuen Wirtschaft gelten? Nein, es soll nur Arbeit für Dinge verrichtet werden, für die ein Bedarf da ist. Usw.... Nochmal der alte Marx: „Wir wollen nicht dogmatisch die Welt antizipieren, sondern in der Kritik der alten die neue finden.“ Wer sich d i e s e Mühe nicht machen will, dem bleibt nichts, als sich selbst als den umworbenen Wähler mißzuverstehen, der im Warenhaus der politökonomischen Systeme entscheiden darf, welches er lieber in Auftrag geben will -bei anderen, die dann für die Lieferung zuständig sind. Nur: die freie Auswahl bietet niemand. Entweder man erkämpft sich die Freiheit, sich seine politökonomischen Lebensbedingungen vernünftig einzurichten, oder man hat in der Frage weiterhin nichts zu melden. Und die Voraussetzung ist: Wissen, was Kapitalismus ist- also Kapitalismuskritik! Frage: Teilst Du eigentlich das, was ich hier äußere? Stimmst Du damit überein oder siehst Du wo was anders?

Re: Verfassungsfeind ?

Abgeschickt von dave am 20.Mai 2005 23:33
"Ja! Wenn Sie sagen, "Deutsche Arbeiter (=Bürger) sollten nichts für Deutschland übrig haben", sind auch Sie ein "Verfassungsfeind"! " Wenn die NPD den Deiner Meinung nach verfassungsgemäßen Standpunkt vertritt: "Deutsche Arbeiter (=Bürger) sollten" möglichst viel "für Deutschland übrig haben" bin ich gerne ein "Verfassungsfeind" Da kommen wir wohl nicht zusammen. Macht ja auch nichts.
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